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Auf den Spuren der Richarda von Gression

Von: Martin Thull
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Ein lohnenswerter Abstecher: Die Laufenburg aus dem 12. Jahrhundert. Heute ist sie im Besitz der Stolberger Familie Prym. Foto: Martin Thull

Langerwehe. Es ist eine Wanderung, die keine großen Ansprüche an Kondition oder Ausrüstung stellt. Das Besondere des Weges liegt darin, dass er den geografischen Hintergrund für die Roman-Trilogie des Langerweher Autors Günter Krieger darstellt.

So sehr seine Geschichte über „Richarda von Gression“ auch seiner Fantasie entsprungen ist, so hat er doch seine nähere Heimat als Schauplatz einbezogen. Und so kann, wer denn will, an einzelnen Punkten auf diesem Weg den Bezug zum Romangeschehen herstellen. Schließlich gehen die Touristen in Ystad auch auf den Spuren von Kommissar Wallander, oder in Venedig folgen sie den Ermittlungen von Commissario Brunetti. Warum also auch nicht hier vor der Haustür?

Der Sage nach gab es im Dreieck zwischen Aachen, Jülich und Köln die wohlhabende Stadt Gression. Eines Tages fand sie ein jähes Ende. Das Atlantis des Rheinlands? Eine spätantike römische Siedlung? Kam der Reichtum aus dem Bergbau? War die Ursache ihres Untergangs eine große Flut oder die Zerstörung durch Feinde? Krieger spielt mit den wenigen greifbaren historischen Befunden und vor allem mit seiner Fantasie. Ende dieses Monats erscheint der dritte Band.

Wir starten am Parkplatz an der Schönthaler Straße bei Wenau, der mit einem großen Hinweis auf die Restauration auf der Laufenburg gekennzeichnet ist. Von Schevenhütte aus kommend liegt der Parkplatz auf der rechten Seite. Unser Weg ist vom Eifelverein Langerwehe mit der Nr. 41 ausgezeichnet, weitgehend folgt unser Vorschlag dieser Markierung.

Nach einigen hundert Metern liegt rechts der Orchelsweiher. Dramatisches hat sich hier im Roman zugetragen: Richardas leibliche Mutter Hiltrud brach dort im Eis ein. Dies beobachtet Rothaid, doch sie verweigert ihre Hilfe, und Hiltrud ertrinkt. Rothaid wird später zur Ziehmutter der Titelheldin.

Der heute so unschuldig in den Wald geschmiegte Weiher spielt auch in den beiden Folgebänden eine Rolle: Richarda versenkt dort das „Schwert des Unheils“. Schließlich wird das Schwert später von Richardas Kindern dort aufgespürt. „Es ist ein Schwert des Unglücks. Jeder, der damit kämpfte, wurde besiegt und fand den Tod. Warf man es aber fort, so gaben Erde oder Wasser es wieder preis. Es ist, als wollte Gott unsere Disziplin, unsere Beherrschung und unseren Gehorsam auf die Probe stellen“, so schildert die Gründerin von Kloster Wenau, Alheidis, im Epilog des dritten Bandes den Charakter dieser Waffe.

Wir gehen den leicht ansteigenden Weg in Richtung Laufenburg bis zu einer Schranke. Hier gilt es, eine Entscheidung zu treffen: Die Laufenburg liegt nicht direkt am Weg – wer also schon so bald eine Rast einlegen will, der folgt links, teilweise mit starker Steigung, dem Weg und kommt nach etwa 500 Metern an die Laufenburg.

Sie wurde im 12. Jahrhundert von den Herzögen von Limburg errichtet, später ging sie in den Besitz des Jülicher Territoriums über. 1881 kaufte die Dürener Industriellenfamilie Hoesch die alte Burg, 1917 erwarb sie die Stolberger Familie Prym. Ihr gehört sie heute noch. Montags ist Ruhetag, „außer Rosenmontag“, wie der Aushang in der kleinen Schänke ausweist. (Eine Möglichkeit zur Einkehr bietet sich auch nach unserem Rundgang, denn bis zur Burg ist Gästen die Nutzung des Autos gestattet.)

Wir umgehen die Schranke rechts und folgen dem Weg, vorwiegend durch Laubwälder. Nur selten säumen Fichten den Weg, hin und wieder gibt es Anpflanzungen junger Nadelbäume. Bei Sonnenschein liegt der Weg überwiegend im Schatten. Der Weg 41 führt an eine Kreuzung, an der wir rechts weitergehen. Zuvor aber lohnt es, einen Blick nach links auf das Franzosenkreuz zu werfen.

Das Franzosenkreuz ist einer der markanten Punkte unserer Wanderung. Die verwitterte Aufschrift verrät den Anlass seiner Errichtung: „1679 ist alhier ein französischer Offizier ermordet und auch begraben.“ Gewalt vor über 300 Jahren. Aber auch um den 19. November 1944 haben im zu Ende gehenden Zweiten Weltkrieg schwere Kämpfe beim „Franzosenkreuz“ stattgefunden. So findet es sich in amerikanischen Kriegstagebüchern. Ausläufer der über Wochen tobenden Schlacht im Hürtgenwald. Einen Tag später war die Laufenburg Schauplatz erbitterter Kämpfe.

Auch das „Franzosenkreuz“ gibt einen Bezug zu den Romanen. Aber nur, weil der Autor Richardas Urahnin eine Sklavin zur Seite stellt, die über prophetische Gaben verfügt. In einer visionären Ahnung sieht sie in die Zukunft und dieses Kreuz. Mit ihrer Herrin ist sie auf der Flucht vor den Hunnen, die dem Roman zufolge Gression zerstört hatten.

Nach dem Besuch beim „Franzosenkreuz“ gehen wir wieder auf den Hauptweg (41) und schlagen die Richtung nach Schevenhütte ein. Hier geht es zunächst leicht bergan, später bergab. Immer wieder begleiten kleine Bäche den Wanderer. Die Woche über ist es Idylle pur, nur die Vögel sind mit ihrem Gezwitscher zu hören. Und der Wind, der durch die Blätter der Bäume weht. Wir stoßen auf die Schönthaler Straße, überqueren sie und gehen links etwa 50 Meter weiter an der Straße entlang bis zur Wollfabrik, der ehemaligen Bleimühle.

Dort biegen wir nach rechts ab und gehen weiter am Wehebach entlang. Dies ist übrigens ein Teil des Jakobsweges, der von Wuppertal-Beyenburg über Köln nach Aachen führt. Schon zuvor sind dem aufmerksamen Wanderer die blau-gelben Muscheln aufgefallen, die den Pilgern den Weg weisen.

Das Forsthaus Wenau ist die nächste markante Markierung. Erneut muss der Wanderer sich entscheiden: Er kann weiter im Tal bleiben und erreicht dann nach etwa zwei Kilometern das Kloster Wenau. Oder er geht eine kleine „Schleife“ links den Berg hoch nach Hamich. Am Ortseingang geht es nach links in die Straße „Gut Atzenau“. Schon jetzt bietet sich ein schöner Blick ins Stolberger Land. Nach etwa 300 Metern liegen links die „Römerwiesen“.

Bauern haben hier in der Vergangenheit zahlreiche Scherben und andere Zeugnisse römischer Wohnkultur und Handwerkskunst beim Pflügen aus dem Boden geholt. Sagen erzählen von Gression. Günter Krieger siedelt das Eremitendorf, das nach dem Ausbleiben der Apokalypse im Jahreswechsel 999/1000 gegründet wurde – in Sichtweite des heutigen Gressenich – auf diesen Wiesen an, die begrenzt werden von einem heute kleinen Bach. In der Sage wird er zum mächtigen Omerstrom.

Zur Klosterkirche Wenau

Den zweiten Feldweg folgen wir nach rechts den Hang hinauf bis zum „Römerweg“, in den wir rechts einbiegen und zurück auf die Hauptstraße gelangen. Der folgen wir nach links in Richtung Wenau, bis auf der rechten Straßenseite auf Höhe des Ortsausgangs unser Weg 41 wieder in den Wald führt. Dieser Weg bringt uns zurück zum Forsthaus Wenau, dem Ausgangspunkt unseres kleinen „Umwegs“. Wir folgen der Straße weiter und sehen schon bald den Turm der Klosterkirche Wenau. 1122 wurde hier ein Prämonstratenserkloster gegründet, zunächst als Doppelkonvent, das heißt: Frauen und Männer lebten in getrennten Gemeinschaften zusammen.

1340 wurde Wenau adliges Frauenstift, nachdem wenige Kilometer östlich das Kloster Schwarzenbroich (heute nur noch als Ruine erhalten) gegründet worden war. 1802 wurde es wie alle anderen Klöster im Rahmen der Säkularisierung aufgelöst, aber schon zwei Jahre später als Pfarrkirche St.Katharina wieder eröffnet. Sie ist bis heute Zentrum des Gemeindeverbunds.

Wenau ist eine Station des Jakobsweges, im Vorraum können Pilger ihren Ausweis stempeln. Hier endet aber auch die Romantrilogie um Richarda von Gression. Denn Richardas Nachfahrin Alheidis – sie hatte das Kloster mit gegründet – erzählt ihrem Großneffen Gerhard auf dem Sterbebett von den Geheimnissen um Richarda und dem „Schwert des Unheils“, das wir vom Beginn unserer Wanderung kennen, weil es im Orchelsweiher eine Rolle spielte. An der Straße entlang geht es zurück zum Parkplatz.

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