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Jobtausch: Mit zitternden Armen auf dem Bau

Von: Nadine Tocay
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Volontärin Nadine Tocay schnuppert für einen Tag in den Beruf des Stuckateurs hinein und begleitet den Auszubildenden Joel Peters. Foto: M. Eckert
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Eine Fassadensanierung an dem Bau aus den 50er Jahren steht auf dem Programm. Foto: M. Eckert
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Joel Peters und Nadine Tocay klettern auf das Gerüst, das vor der Außenwand des Hauses steht. Foto: M. Eckert

Simmerath. Ich stehe im Garten eines Einfamilienhauses in Simmerath. Auf dem Boden liegen Styropor, Holz und Folie. Die Sonne scheint mir auf den Rücken, als ich mich über einen Eimer bücke. Die graue, dickflüssige Masse, die sich darin befindet, wirft Blasen. Am Rand hat sich eine Schicht Pulver angesammelt. „So, und jetzt den Quirl reinhalten und auf den Schalter drücken.

Dann kannst du den Mörtel schön verrühren“, sagt Joel Peters, der sich neben mir entspannt gegen einen Stapel Steinwolle lehnt. Leichter gesagt als getan, denke ich mir, denn der Quirl ist ganz schön schwer.

Joel Peters ist im ersten Lehrjahr der Ausbildung zum Stuckateur. An diesem Tag ist jedoch nicht er der Neuling in der Firma von Addi Klinkhammer, sondern ich. Handwerklich begabt bin ich überhaupt nicht, und Arbeit, bei der man dreckig wird, habe ich bisher meist gemieden. Aber da muss ich jetzt durch, denn Joel nimmt mich für einen Tag mit auf die Baustelle.

Aufgeregt drücke ich den Schalter des Mörtelrührwerks; es spritzt. Der Gegendruck des Rührwerks bringt meinen linken Arm zum Zittern. Mit ganzer Kraft versuche ich, den Mörtel möglichst gut zu mischen. Ich blicke zu Joel, er nickt. Geschafft. Mit einer Kelle nehme ich mir vorsichtig eine Portion des Klebers aus dem Eimer und streiche ihn auf eine der Steinwollplatten. Es tropft. Ein Teil der grauen Masse landet auf dem Boden. Bei Joel sah es doch ganz leicht aus; ist es aber definitiv nicht, stelle ich fest. „Wenn es danach geht, wie wenig daneben geht, dann hätte ich schon längst aufhören müssen“, sagt der 22-Jährige und lacht. Das macht mir Mut.

Frühes Aufstehen gehört zum Alltag

Joel und ich klettern auf das Gerüst, das vor der Außenwand des Hauses steht. Ganz schön hoch, denke ich mir, während ich mich am Geländer festhalte, um mich nach oben zu ziehen. Ein Kollege von Joel reicht ihm die Platte. Gemeinsam bringen wir sie an der Außenwand des Hauses an.

Eine Fassadensanierung an dem Bau aus den 50er Jahren steht auf dem Programm. Zuerst werden dazu die Steinwollplatten verlegt, dann folgt das Auftragen einer Gewebearmierung, einer Art Putz, einer Grundierung und des Oberputzes. Rund drei Wochen wird Joel noch mit seinen Kollegen auf der Baustelle arbeiten, ehe alles fertig ist.

Um 6.20 Uhr beginnt sein Arbeitstag. Joel fährt mit dem Auto von seinem Elternhaus in Hellenthal nach Simmerath in das Lager. Von dort aus geht es für die Stuckateure zu den Baustellen, auf denen sie eingeteilt sind.

Viele verschiedene Aufgaben gilt es zu bewältigen. „Der Job ist total abwechslungsreich, deshalb wollte ich das auch machen“, erzählt der Azubi. Wärmedämmung, Stuckarbeiten, Trockenbau und das Auftragen verschiedener Putze sind die Hauptaufgaben eines Stuckateurs und gehören somit zum Alltag des Lehrlings. Am liebsten mache er Innenputz, erklärt er. „Es ist sehr anstrengend und macht viel Dreck, aber da sieht man am Ende des Tages, was man getan hat. Und je anstrengender die Arbeit, desto fitter wird man.“

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Im Blockunterricht in der Schule lernt Joel das theoretische Fachwissen in Fächern wie Baukonstruktionszeichnen und Holzverarbeitung. Bevor er sich für ein Praktikum bei Klinkhammer bewarb, machte er eine Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten. „Aber die Arbeit mit Computern war nicht das Richtige für mich“, erzählt er mir, während ich wieder vom Gerüst hinunter klettere. Er hält mir einen Fuchsschwanz hin. Jetzt wird gesägt.

Erleichterung macht sich breit

Auf die Steinwollplatte zeichnet Joel ein kleines Rechteck, das ich vom Rest der Platte trennen soll – schließlich müssen auch die Maße der Fensterrahmen beim Anbringen der Steinwolle bedacht werden. Ich lege die Säge an der oberen Kante an und beginne zu ziehen. Das Blatt trennt die Wolle. Das scheint mir einfacher von der Hand zu gehen. Ich bin erleichtert.

Wenige Sekunden später begutachten wir das Ergebnis. „Gut gemacht, du sägst ja gerader als ich“, sagt Joel und lacht wieder. Ich spüre, wie ein wenig Stolz in mir aufkeimt.

Doch die Arbeit ist anstrengend und die Sonne brennt sich in meinen schwarzen Pulli. Dabei sind es doch nur knapp über 20 Grad. Wie muss es dann erst sein, wenn es wirklich heiß ist? „Da muss man durch“, meint Joel. Das gehöre eben zum Job dazu.

Ich muss gestehen, im Vorfeld habe ich den Beruf des Stuckateurs unterschätzt. Und eigentlich hatte ich damit gerechnet, mit Stuck zu arbeiten. Doch das, erklärt mir Joel, mache man heutzutage nicht mehr so häufig. Um diese Erfahrung, und die, dass mir die Arbeit mit Stift und Block mehr liegt, reicher, mache ich mich am Ende des Tages wieder auf den Heimweg.

Nadine Tocay

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