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Elektromobilität: 400 Kilometer, dann ist Schluss

Von: tys
Letzte Aktualisierung:
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Aufladen an der Steckdose: Zwar dauert das „Tanken“ eines Elektroautos deutlich länger als das beim Beziner oder Diesel, doch es ist auch erheblich Foto: T. Schwark
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Region. Christian Bürgel ist nicht ausgesprochen umweltbewusst, kein Öko-Freak. Trotzdem hat er sich ein Elektroauto gekauft. „Das hatte in erster Linie nichts mit dem Umweltaspekt zu tun“, sagt der 30-jährige Alsdorfer ganz offen. Vielmehr habe es ihn gereizt, in „eine zukunftsorientierte Denkweise“ zu investieren.

Während vor Jahren das erste Auto eine sehr emotionale Sache war, nimmt laut Studien der Wert eines Autos für junge Menschen immer mehr ab. Doch diese Studien belegen auch, dass junge Menschen etwas mit E-Mobilität anfangen können: 74 Prozent der 14- bis 19-Jährigen in Deutschland würden sich einen Pkw mit Stromantrieb kaufen, besagt eine Umfrage.

Bei der Autosuche sei er immer wieder an einem E-Wagen stehengeblieben, weil er ihm gefiel. „Dass man zusätzlich etwas für die Umwelt tut, ist natürlich ebenfalls ein Bonus.“ Und einen weiteren großen Vorteil hat er auch zu schätzen gelernt: „Das Fahren ist sehr leise und damit sogar noch stressfreier als in anderen Autos.“ Und das „Fahrgefühl“ stimmt auch.

Bundesweit gibt es mehr als 25 500 reine Elektroautos. Davon sind in NRW 4100 Fahrzeuge angemeldet, in der Städteregion ungefähr 500. Wie viele junge Menschen auf die Idee kommen, sich gegen ein „normales“ Auto zu entscheiden, kann nur geschätzt werden. „Ich glaube aber, dass es nicht viele sind“, sagt Bürgel. „Viele sehen nur die Nachteile von E-Autos.“

Häufig wird er auf die hohen Kosten angesprochen, „auch wenn man im Endeffekt nicht mehr bezahlt, als für ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor“. Natürlich sei ein E-Wagen teuer, „aber der Kauf eines Neuwagens ist nie billig“. Und wer wie Bürgel erst spät den Führerschein macht und sich mit knapp 30 das erste Auto kauft, hat vielleicht auch schon etwas mehr Geld zur Verfügung als ein Schulabgänger.

Bürgel hat 23.000 Euro für seinen Kleinwagen bezahlt – dabei hat sein Wagen einen Neuanschaffungswert von 35.000 Euro. „Das macht die staatliche Unterstützung möglich“, sagt er. Denn: Bis zu einem Wert von 40.000 Euro unterstützt die Bundesregierung den Kauf eines Elektroautos. Trotzdem musste der Gastronomie-Angestellte fast fünf Jahre für die Anschaffung seines Traumautos sparen. Das war es ihm Wert, um Teil „des zukunftsorientierten Fahrens“ zu sein – bis dahin musste er eben auf Bus und Bahn ausweichen.

„Wenn man sich die laufenden Kosten anschaut, kommt man sogar günstiger weg.“ Denn Strom ist deutlich billiger als Benzin. Und Verschleißteile gibt es so gut wie gar nicht – abgesehen vom wiederaufladbaren Akku, über den das Auto läuft. Der wird beim Kauf nicht mit erworben, sondern nur geliehen. „Hat der Akku Probleme beim Wiederaufladen, kann ich ihn beim Hersteller umtauschen.“

Im aktuellen Report zum weltweiten Stand der Elektromobilität der Umweltschutzorganisation WWF und des Energieversorgungsunternehmens Lichtblick, Marktführer im Bereich Ökostrom, prangert Klimaexpertin Viviane Raddatz an, dass die Kaufprämie allein nicht als Anreiz greife. Dabei seien die Möglichkeiten groß. „In einem Testprojekt wurde gezeigt, dass ein E-Auto als Zwischenspeicher für Wind- und Sonnenstrom bei einer zehnjährigen Batterienutzung mehr als 10.000 Euro erwirtschaften könnte.“

Aber es gibt eben nicht nur Vorteile: „Ich muss, wenn ich längere Strecken fahre, vorher genau planen, wo ich zwischendurch tanken kann“, sagt Bürgel. Etwa 400 Kilometer kann er mit seinem Auto am Stück hinter sich lassen, dann muss er eine Pause einlegen. Es braucht zweieinhalb Stunden, ehe der Akku von 20 Prozent auf 100 Prozent vollgeladen ist. „Viel weiter bin ich ihn noch nicht runtergefahren. Ich habe zu viel Angst, plötzlich stehenzubleiben.“

Die noch geringe Reichweite scheint zurzeit das größte Problem zu sein. Außerdem kann von ausgeprägtem Umweltbewusstsein insgesamt keine Rede sein, schließlich entscheidet sich zurzeit jeder fünfte Käufer für einen SUV – die Spritschlucker schlechthin. Doch um das ausgeschriebene Klimaziel zu erreichen, müssen bei den Autoherstellern zeitgleich mehr Elektroautos auf den Markt kommen.

Das Beispiel VW, wo die SUV-Angebotspalette verdoppelt werden soll und zugleich mehr Hybrid- und Elektroautos auf den Markt kommen, zeigt diese Entwicklung. Und dann ist da noch die Optik. „Die E-Autos sehen manchmal so aus, als würden sie morgen ins All fliegen.“ Gefunden hat Bürgel trotzdem einen nicht ganz so „abgespaceten“ Wagen. Nur eine Sache stört noch: Mit seinen 1,98 Metern passt er gerade so rein. Aber daran ist nicht die E-Mobilität schuld. „Das Problem hätte ich auch in einem Kleinwagen, der auf Benzin läuft.“

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