Freizeittipps Freisteller

Anarchistisch, politisch, öffentlich: Streetart in Aachen

Von: ik
Letzte Aktualisierung:
Streetart Aachen
Streetart Aachen
Streetart Aachen

Aachen. Neun Monate lang haben wir mit Lesern nach Aachener Streetart gesucht – und sie auch gefunden. Was aber halten Experten von der Szene? Wir haben bei dem Aachener Kunsthistoriker Maurice Funken nachgefragt.

Wir Hier: Wie hat sich Streetart-Szene in Aachen entwickelt? Gibt es eher legal oder illegal agierende Künstler?
Maurice Funken: Die lokale Szene ist übersichtlich, gerade in den letzten Jahren fand eine Abwanderung in Großstädte statt. Doch gerade im Graffiti-Bereich sind weiterhin viele spannende Künstler tätig. Stadtbekannte Streetart-Künstler agieren selbstverständlich alle legal, werden zum Teil zu Auftragsarbeiten auch im öffentlichen Raum heran gezogen. Und auch die Stadt Aachen hat die Streetart für sich entdeckt – so findet voraussichtlich 2018 eine große Ausstellung zur Geschichte der Streetart im Centre Charlemagne statt.

Wir Hier: Manche sehen Streetart schlicht als Vandalismus, andere als Kunst: Wie ist Ihre Meinung?
Funken: Bereits die Begrifflichkeit legitimiert Streetart als Kunst. Streetart ist gemeinhin als Eingriff in den öffentlichen Raum zu verstehen. Öffentlicher Raum gehört aber nunmal allen, daher stellt sich hier die Frage, wer diesen gestalten darf? Die Stadtplaner oder vielleicht doch auch die Einwohner? Wer bestimmt, was im öffentlichen Raum passiert. Viele Streetart-Künstler arbeiten legal, illegale Aktionen werden als ein Weg gesehen, das eigene Umfeld auf vielleicht anarchistische, aber auch kreative Weise visuell mit zu gestalten.

Wir Hier: Aus Sicht eines Kunsthistorikers: Ist Streetart als eigenständige Kunst-Strömung zu verstehen?
Funken: Ja. Sie ist anarchistisch, auch demokratisch, kritisch, öffentlich, teilweise politisch, auch selbstdarstellerisch, jenseits der etablierten Institutionen, auch wenn die gerade die Streetart für sich entdecken. So finden Streetart-Künstler mittlerweile ihren Weg von der Straße in die Galerien, auch Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum gibt es häufiger.

Wir Hier: Seit wann wird ihr denn (mehr) Bedeutung beigemessen?
Funken: Die Ursprünge der Urban Art liegen in den 1980er Jahre in New York mit den ersten Graffitisprayern; ein erster bekannter Protagonist der Streetart-Szene war Keith Haring, der in den Gängen der New Yorker Untergrundbahn seine ikonenhaften Figuren gemalt hat. Neue große Aufmerksawmkeit bekam die Szene spätestens mit Banksy, der in den 2000er Jahren zu großer Popularität gelangte und dessen verkäufliche Werke auf dem Kunstmarkt Höchstpreise erzielen.

Wir Hier: Braucht der öffentliche Raum solche Eingriffe?
Funken: Der öffentliche Raum wird dominiert von einem Erscheinungsbild, das nicht die Bewohner einer Stadt bestimmt haben, sondern Städteplaner und Politiker. Persönliche Gestaltungsstrategien halte ich daher für begrüßenswert.

Wir Hier: Welchen Beitrag leisten die Künstler für eine Stadt?
Funken: Gute Künstler beleben mit ihrer Arbeit den städtischen Raum, gestalten ihn. Städtische Vernachlässigung kann so ausgeglichen werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert