Dossier Tihange

AKW Tihange: Private Initiative misst radioaktive Strahlung

Von: Christian Rein
Letzte Aktualisierung:
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Das Bündnis TDRM will den Aufbau eines Netzwerkes von Messstationen für Radioaktivität im Gebiet der belgischen Atomreaktoren Tihange und Doel vorantreiben. Foto: Harald Krömer
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Dietrich Meyer-Ebrecht befestigte die Messstation an ihrem Standort. Foto: Harald Krömer
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Michael Rabald vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie präsentiert das Innere der Anlage. Foto: Harald Krömer

Aachen. Eine der ersten Messstationen Aachens befindet sich in einem recht unscheinbaren Garten. „Station“ ist eigentlich ein viel zu großes Wort für das kleine graue Kästchen, das Dietrich Meyer-Ebrecht an seinem Gartenhäuschen angebracht hat. Wenn man nicht wüsste, dass damit die Radioaktivität in der Umgebung gemessen wird, könnte man auch denken, es handele sich um einen Strom- oder Telefonanschluss.

Tatsächlich gehört der Kasten zum Projekt „Tihange Doel Radiation Monitoring“ (TDRM), einem Netzwerk für die Messung der radioaktiven Strahlung rund um die in der Kritik stehenden belgischen Kernkraftwerke in Tihange nahe Lüttich und Doel nahe Antwerpen.

Am Dienstag ist das Netzwerk, das derzeit aus insgesamt zwölf Stationen besteht, offiziell freigeschaltet und worden. Noch befindet es sich in einem Testbetrieb, aber die Daten sind schon jetzt im Internet für Jedermann einsehbar – übrigens auf Englisch, Deutsch, Französisch und Niederländisch. Über die Internetseite gibt es auch die Möglichkeit, mit der Gruppe Kontakt aufzunehmen.

Gemessen wird vor allem in Belgien

Dietrich Meyer-Ebrecht ist emeritierter Professor für Messtechnik an der RWTH Aachen. Er engagiert sich beim Forum Informatikerinnen für Frieden, das das Netzwerk über eine seiner Arbeitsgruppen entwickelt hat und betreibt. Die Informatikerinnen für den Frieden (FIfF) arbeiten mit den Internationalen Ärzten gegen den Atomkrieg (IPPNW) und dem Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie zusammen. Ziel ist das Bereitstellen von unabhängigen Informationen, die möglichst transparent allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden sollen.

Das Gartenhäuschen von Meyer-Ebrecht befindet sich übrigens eher am Rande des Netzwerks. Denn es geht weniger um die Region Aachen selbst, als vor allem um das Gebiet zwischen den Kraftwerken und der deutsch-belgischen Grenze, also um die Osthälfte Belgiens. „Die bestehenden Netzwerke dort sind nicht besonders dicht bestückt“, erklärt Meyer-Ebrecht. „Außerdem sind die dort erhobenen Daten nicht einsehbar oder wenn, dann nur mit großer zeitlicher Verzögerung.“

Wenn es in einem der Kraftwerke zum GAU komme, dann sei Zeit aber ein entscheidender Faktor, wie der Mediziner Wilfried Duis­berg von der Aachener IPPNW-Gruppe erklärt. Denn nur mit möglichst viel Vorlauf könne Katastrophenschutz effektiv greifen und vor allem eine Panik verhindert werden. „Die Jodtabletten müssen zum Beispiel rechtzeitig eingenommen werden können, also vor Eintreffen einer radioaktiven Wolke“, sagt Duisberg.

Meyer-Ebrecht weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass über das TDRM-Netzwerk keine Katastrophenwarnungen ausgesprochen werden. „Das ist auch gar nicht unsere Aufgabe.“ Auch werde für die Daten keine Gewähr übernommen. Sie seien aber geeignet, um einen starken Anstieg der Strahlung zu dokumentieren und würden so eine erste Situationsbeurteilung erlauben. „Wir wollen Strahlung sichtbar machen“, sagt Meyer-Ebrecht. „Dadurch, dass sich bei uns jeder über die Messdaten informieren kann, wollen wir Druck auf die politischen Gremien machen, dass sie endlich reagieren und ihre Ergebnisse ebenfalls transparenter machen.“ Leserbriefe

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