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„Degenerierter Schrott” oder „einfach wun-der-bar?”

Von: Manfred Kutsch
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Uber London und Davos am Samstag Abend in Aachen eingetroffen: Außenminister und Ex-Ritter (2001) Guido Westerwelle bei der herzlichen Begrüßung von „Mutter Beimer” Marie-Luise Marjan. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Horst, wunderbar, einfach wun-der-bar!” Zärtlich tätschelt die Thüringer Wissenschaftlerin und Politikerin Dagmar Schipanski die rechte Wange des gerührt dreinschauenden AKV-Präsidenten Horst Wollgarten. Der altgediente AKV-Knappe Armin Halle, einst Adlatus von Helmut Schmidt und Sat 1-Chefmoderator schlägt da eine andere Tonart an.

„Ich möchte nicht, dass der Aachener Karneval im Fernsehen zum Schrott degeneriert.”

Während Hunderttausende Silberkonfettis im leeren Europasaal des Eurogress an die 60. Aachener Festsitzung erinnern, schlägt im VIP-Bereich die Stunde der närrischen Messerwetzer und Schulterklopfer, der Claqueure und Kritikaster, der Ehrlichen und Diplomaten. Angeregtes Stimmengewirr bei der After-Show-Party, rotierende 360-Grad-Blicke beim Sehen und Gesehen werden.

Für Wollgarten ein Wechselbad der Gefühle, denn er weiß, „dass wir eine Gratwanderung zwischen dem Repräsentieren des Aachener Karnevals und der bundesweiten TV-Tauglichkeit gegangen sind”.

Der Spagat beschäftigt auch jene, die dem AKV nur wohlgesonnen sind - aber ihr Hadern nicht immer bekennen. Beliebteste Strategie dabei: Jürgen Rüttgers loben, die „Amigos” auch, vielleicht noch Eckart von Hirschhausen und Desiree Nick - und dann schweigen. Kostproben: „Ich bin begeistert vom Ritter”, sagt TV-Schauspielerin Marie-Luise Marjan - und fügt an: „Kritik steht mir nicht zu, ich bin doch hier Gast.”

„Eine tolle Ritterrede, selbstironisch, blitzgescheit”, meint Vizekanzler Guido Westerwelle - und schweigt. Mario Adorf, immer noch mitgenommen von einer Erkältung, fand die Sitzung „eigentlich prima”, hat aber „manches als zu ortsfremd” empfunden. „Ich hätte mir mehr Öcherisches gewünscht”, sagt er und macht das beispielhaft am Deutschen Fernsehballett fest: „Im Zweifel hätte ich lieber Wolkenschieber von hier als Beinschmeißer aus dem Norden.”

Fernseh-Urgestein Max Schautzer wird noch deutlicher: „Ich glaube, dass man aufpassen muss, dass die Ordensverleihung eine Karnevalsveranstaltung bleibt. Sonst begibt man sich auf ein Gebiet, auf dem der AKV nicht mehr konkurrenzfähig ist.”

Die Party kommt in Schwung, das Pils läuft. Hollywood-Star Ralf Möller, Hans-Dietrich Genscher, Margarete Schreinemakers achten nicht auf Armin Halle, der am Nachbartisch weiterhin Tacheles redet: „Die Frage ist doch: Wollen wir jetzt ein Abklatsch von Florian Silbereisen oder anderen Abartigkeiten im Fernsehen werden?”

Den einstigen Porsche-Chef und AKV-Ritter Wendelin Wiedeking (2003) kümmert´s nicht, der sitzt ganz hinten und pafft seine möhrengroße Zigarre, bevor er bis zum Morgengrauen in die Bar des Hotels „Quellenhof” entschwindet.

Derweil plaudern angeregt Air-Berlin-Chef Joachim Hunold und Ex-Bahn-Boss Hartmut Mehdorn, wobei letzterer verrät, „dass ich die Sitzung immer im Fernsehen gesehen habe”, er aber nie gekommen sei, „weil ich nicht auch noch den Kakao trinken wollte, durch den ich hier immer gezogen wurde”.

Aber auch ihm, als Premierengast, sei aufgefallen, „dass zu meiner Überraschung bei dieser Karnevalsveranstaltung offensichtlich ein Medienkompromiss stattgefunden hat”.

Zu letzterem mag auch die Berliner Entertainerin und professionelle AKV-Legionärin Desiree Nick gehört haben, die Halles „Schrott”-Ängste bestätigen dürfte: „Ich hatte bei meinem Auftritt Antennen, die reichten bis in die Unterhosen des Publikums.”

Sie finde es „ganz toll”, sagt die RTL-Dschungelcamperin, „dass meine Kunst auch im Karneval geschätzt wird”. Tusch? Die Nachlese endet um 7.30 Uhr.
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