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Alte Gags kommen bestens an

Von: Johannes Nitschmann
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Aachen/Düsseldorf. Vor seiner Auszeichnung mit dem Orden „Wider den tierischen Ernst” hatte Jürgen Rüttgers dem „Online-Journal” des Aachener Karnevalsverein (AKV) offen gestanden: „Spontaner Humor ist gut. Aber ich bin gerne gut vorbereitet.”

Offenkundig mehr als drei Jahre hat der NRW-Ministerpräsident seine „Dankesrede” für den „Nobelpreis des Humors” geübt und als Büttenredner auf den verschiedensten Karnevalssitzungen immer wieder einem Tauglichkeitstest unterzogen.

Vier Jahre nach der Plagiats-Affäre um die dreist aus dem Internet abgekupferte Rede des Ordensritters Friedrich Merz (CDU) sieht sich sein Parteifreund Rüttgers mit dem Vorwurf konfrontiert, die Narren im Aachener Eurogress am Samstagabend mit politischem Karnevalsstehsatz abgespeist zu haben. Im Narrenkäfig plauderte der Ministerpräsident aus dem Nähkästchen eines Regierungschefs während der stressigen Karnevalssession: „Werde dabei fotografiert wie ich versehentlich in die Limousine der ebenfalls anwesenden SPD-Landesvorsitzenden einsteige. Fliege aber achtkantig raus, als ich in Verkennung der Situation lalle: âZu Dir oder zu mir?´ Brauche eine halbe Stunde um den schmollenden FDP-Landesvorsitzenden wieder zu beruhigen.”

Seine im Aachener Eurogress viel umjubelte Ordensritter-Rede war für Rüttgers offenkundig Routine. Seinen närrischen Terminkalender „Zwischen Kölsch und Frikadellen” hatte der Ministerpräsident bereits am 20. Januar 2007 bei der Prinzenproklamation im westfälischen Warendorf aufgeblättert - über weite Passagen wortgleich mit seiner Ordensritter-Rede. Immer wenn Rüttgers während der vergangenen drei Jahre in die Bütt ging, benutzte er Versatzstücke aus seiner Warendorfer Rede - etwa bei seiner Auszeichnung zum „Doctor humoris causa” durch die Dülkener Narrenakademie.

Und jetzt als Aachener Ordensritter. Ist der Humorvorrat des 58-jährigen CDU-Politikers so begrenzt, dass ihm seit drei Jahren im Karneval nichts Neues mehr einfällt? Die Düsseldorfer Staatskanzlei geriet am Sonntag bei den ersten Journalisten-Anfragen in erkennbare Erklärungsnot. Der AKV habe sich das Thema „Ein närrischer Tag im Leben des Ministerpräsidenten” ausdrücklich gewünscht, ließ Rüttgers über seinen Regierungs-Apparat verlauten. Aber wollten die Aachener Karnevalisten wirklich die Kopie einer Rüttgers-Rede aus dem Jahre 2007 mit einigen aktuellen Pointen aus seinen jüngeren Politreden?

Um über den Fauxpas wortreich hinweg zu reden, rang sich die Staatskanzlei schließlich zu einer offiziellen Erklärung durch: „Anlage und Teile der Rede sowie das Lied sind neu”, versicherte ein Regierungssprecher. Im übrigen sei es „nicht unüblich, dass gelungene Passagen und Stilelemente aus früheren Vorträgen neu verwendet werden”. Rüttgers selbst hatte am Rande der Sitzung eingeräumt, die Rede „aus verschiedenen Elementen gestrickt” zu haben. Seitens des AKV, so der Rüttgers-Sprecher, habe es „keinerlei Beanstandungen gegeben”.
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