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Kinderuni: Wenn immer noch ein wenig übrig bleibt

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
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Endlich anfassen und dann abbeißen: Diese beiden Kinder freuen sich nach der Kinderuni über Unendlichkeit über ein gebackenes Unendlich-Zeichen aus süßem Teig. Foto: Michael Jaspers
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Konzentriert: Diese Kinder sichten die Arbeitsaufgaben zum Thema „Unendlichkeit“ in der Kinderuni. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wie viele Luftmoleküle stecken in einem Kubikmeter? Und wie viele Atome befinden sich im Universum? Es sind riesige Zahlen, die die Mathematikprofessoren Johanna Heitzer, 42, und Sebastian Walcher, 57, am Freitag mit in die Kinderuni gebracht haben.

Rund 800 Kinder sitzen in der Veranstaltung von der RWTH Aachen und unserer Zeitung, die von der Stawag unterstützt wird. Alle schauen nach vorne. „2.500.000.000.000.000.000.000.000“, schreibt Walcher an die Tafel. „Das sind 2,5 Quadrillionen Luftmoleküle pro Kubikmeter“, sagt er. Viertklässlerin Carlotta, 9, aus Aachen schaut kritisch. „Die Zahl ist mir zu groß“, sagt sie. „Wir rechnen nur bis eine Million.“ Carlotta sitzt neben ihrer Freundin Sabrina, 9. „Das höchste war drei Millionen“, sagt Sabrina.

Für den Mathematiker Walcher vom Lehr- und Forschungsgebiet Mathematik an der RWTH können Zahlen nicht groß genug sein: „Experten schätzen, dass die Anzahl der Moleküle im Universum eine Zahl mit 78 Stellen ist.“ Da reicht der Platz nicht, um sie an der Tafel aufzuschreiben. „Aber riesige Zahlen sind immer noch nicht unendlich“, sagt Heitzer, Professorin am Lehr- und Forschungsgebiet Didaktik der Mathematik an der RWTH. Und damit sind die Professoren mitten im Thema der Kinderuni angekommen: „Endlich, wir behandeln unendlich!“

Ewig weitermachen

Heitzer ruft fünf Kinder auf die Bühne. Der Reihe nach sollen sie immer größere Zahlen nennen: 153, 910, 1600, 1850. . ., „Eigentlich kann man da ewig weitermachen“, sagt Walcher. „Würden wir fertig werden?“ „Nein“, rufen die Kinder im Hörsaal. Es könnte theoretisch unendlich weiter gehen.

„Was ist denn unendlich?“, fragt Walcher. Sabrina und Carlotta überlegen für sich: „Eine Billion ist groß“, sagt Sabrina. „Das ist eine Zahl mit zwölf Nullen“, sagt Carlotta. Vorstellen können sie sich weder die Billion noch unendlich. Wenn man aber einfach mal anfängt zu zählen, wird es leichter zu verstehen. „Die Reihe hört nicht auf“, sagt Walcher. Für jede natürliche Zahl gibt es immer noch eine größere. Das Schwierige daran: „Unendlich Großes müssen wir uns denken“, sagt Walcher. Das Gute: „Wir können es uns denken.“ Heitzer stellt den Kindern das Zeichen für unendlich vor. „Eine hingelegte Acht“, beschreibt Carlotta.

Dann unterbrechen die Professoren ihren Vortrag für ein paar Minuten. Die Kinder dürfen Fragen in einen Arbeitsheft, das vor jedem Kind auf dem Pult liegt, beantworten. Einige Kinder nutzen die Zeit, um darin zu schreiben. Andere unterhalten sich. Wieder andere warten einfach still darauf, dass es weiter geht.

Vier Kinder ruft Professor Heitzer als nächstes für ein Spiel auf die Bühne. Sie sollen Bierdeckel möglichst nah an die Wand werfen. „Der ist schon so gut, besser geht es nicht“, sagt Walcher, als ein Deckel wenige Zentimeter vor der Wand landet. „Theoretisch kann aber immer noch einer kommen und einen kleineren Abstand werfen“, sagt Heitzer. Unendlich klein geht also auch. Wenn auch nur in Gedanken.

Heitzer erzählt die Geschichte von einem Mädchen, das als Adventskalender eine Tafel Schokolade geschenkt bekommt. Sie isst jeden Tag die Hälfte ihrer Tafel. Wie lange sie davon haben wird? „Theoretisch kann sie in Gedanken unendlich daran essen“, sagt Heitzer. Länger als bis Heiligabend also. „Sie wird immer noch was davon haben, weil sie ja immer noch die Hälfte hat“, sagt Carlotta. Auch ein anderer Junge hat es verstanden: „Du kannst immer weiter teilen, immer wieder. Aber nicht, bis du nix mehr hast, denn du hast immer noch einen kleinen Fussel“, sagt ein Junge. Ein gutes Beispiel , das für die Kinder verständlich ist.

Die Zahlenpaare

Heitzer und Walcher gehen noch einen Schritt weiter. Sie wollen den Kindern zeigen, dass es gleich viele natürliche Zahlen (1, 2, 3, . . .) wie gerade Zahlen (2, 4, 6, . . .) gibt. Weil man jeder natürlichen Zahl immer auch eine gerade zuordnen kann. Nicht nur für Sabrina und Carlotta ist das schwer nachzuvollziehen. Auch viele andere Kinder im Saal kommen nicht ganz mit.

Doch die Animation mit den Zahlenpaaren vorne an der Wand hilft beim Verstehen: 1 und 2 gehen zusammen, 2 und 4, 3 und 6, . . . „Stimmt, das ist immer das Doppelte“, sagt Carlotta. Und auch die Kinder, die es noch nicht verstanden haben, können beruhigt sein: „Wenn ich das meinen Studenten erzähle, dann schauen die auch erst komisch“, sagt Walcher. „Das ist schwer.“

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