Kinderuni: „Was in der Kurve und hinter der Kuppe kommt“

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Will Jungen und Mädchen für den Ingenieurberuf begeistern: Lutz Eckstein.

Aachen. Warum Lutz Eckstein in der Kinderuni insbesondere die Mädchen für den Ingenieurberuf begeistern will? „Wenn wir die nicht begeistern, geht uns die Hälfte des kreativen Potenzials verloren“, sagt der Direktor des Instituts für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen. Im Interview spricht erüber das Auto der Zukunft und warum er gerne an der Uni arbeitet.

Sie waren selbst zehn Jahre für die heutige Daimler AG tätig. Warum sind Sie an die Uni zurückgekehrt?

Eckstein: Bei Daimler durfte ich Fahrerassistenzsysteme auf den Weg bringen, die den Fahrer etwa beim Spurhalten und -wechsel unterstützen. An der Hochschule haben Sie die Möglichkeit, nicht nur Technologien zu gestalten, sondern Menschen zu prägen. Genau das fasziniert mich. Wenn Sie junge Menschen prägen, können Sie ihnen Wissen mitgeben und sie sensibilisieren und motivieren, kreativ zu werden. „Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist beschränkt“, hat Einstein gesagt. Es gilt also neben der Wissensvermittlung, die Fantasie anzuregen.

Wenn Sie an neuen Automobilen forschen, woher wissen Sie, was die Kunden sich wünschen?

Eckstein: Die Antwort darauf ist schon ein Forschungsfeld für sich: Wie kann man soweit in die Zukunft schauen, ohne auf explizite Antworten von Menschen angewiesen zu sein, deren Vorstellungskraft begrenzt ist? Es gibt verschiedene Ansätze.

Wo setzen Sie als Ingenieur an?

Eckstein: Klassischerweise schauen wir Ingenieure auf Unfalldaten und versuchen anhand derer zu schauen, wo es Probleme und Assistenzbedarf gibt. Ein anderer Zugang ist, Menschen direkt zu befragen, was sie sich hinsichtlich der Mobilität wünschen. Der dritte Ansatz ist einer, den wir von den Designern gelernt haben: Beim „Design thinking“ denken wir das Produkt vom Erlebnis her kommend. Man versucht dabei, sich in zukünftige Fahrer und Szenarien hineinzuversetzen und zu überlegen, welches Fahrerlebnis für sie attraktiv sein könnte. Wir können so ein Fahrerlebnis zukünftig in unserem neuen hochdynamischen Fahrsimulator darstellen. Und zwar ohne zunächst zu wissen, wie die Technologie aussieht. Mit vielen Versuchspersonen testen wir dann, ob das ein attraktives Fahrerlebnis ist. Erst dann kommen wir zu der Frage, wie wir da technologisch hinkommen.

Wie sieht denn das Auto aus, das Sie in Zukunft fahren möchten?

Eckstein: Mein Auto der Zukunft müsste zwei Charaktere in sich vereinen: Zum einen sollte es sich so anfühlen wie ein Präzisionswerkzeug, das mich perfekt informiert, was in der nächsten Kurve oder hinter der nächsten Kuppe kommt, um effizient und sicher fahren zu können. Zum anderen gibt es immer mehr Situationen, in denen der Verkehr immer dichter und die Anforderungen komplexer werden. Dann würde ich mir am liebsten Zeit kaufen. Dafür würde ich gerne umschalten in den Lounge-Modus, in dem ich gefahren werde und entspannen kann. Das Fahrzeug erledigt die Fahraufgabe. Es muss dabei unfallfrei und idealerweise emissionsfrei fahren.

Was können Forscher von Kindern lernen?

Eckstein: Von Kindern kann man lernen, neugierig zu sein und Dinge immer wieder infrage zu stellen. Wir Ingenieure neigen dazu zu sagen: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Kinder dagegen hinterfragen immer, warum etwas so gemacht wird. Dieses neugierige Nachfragen müssen wir uns erhalten.

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