Aachen - Kinderuni: Den Implantaten einfach eine Tarnkappe anziehen

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Kinderuni: Den Implantaten einfach eine Tarnkappe anziehen

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Den Stift auspacken, wenn es interessant wird: Auch diese Kinderuni-Teilnehmerin schreibt mit.

Aachen. Steifes Holzbein und starres Glasauge waren einmal. Die Prothesen und Implantate von heute sind hochtechnisch und funktional. Wie man es schafft, dass der Körper künstliche Ersatzteile annimmt, darüber hat Professor Doris Klee, 57, am Freitag in der Kinderuni gesprochen, der Veranstaltung von RWTH und unserer Zeitung, die die Stawag unterstützt.

„Implantate heißen Ersatzteile, die in den Körper kommen”, erklärt die Professorin für Technische und Makromolekulare Chemie rund 700 Teilnehmern im Audimax, dem größten Hörsaal der RWTH. „Die Teile, die außen an den Körper kommen, sind Prothesen.” Dann liest sie von der Folie ab: „Ein Implantat bezeichnet all jene Stoffe und Teile, die zur Erfüllung einer bestimmten Ersatzfunktion in den Körper eingebracht werden.” Eine sperrige Definition. Nina, 9, kann danach nicht beantworten, was ein Implantat ist. Den Begriff Prothese kennt sie dafür, „ein Ersatzteil für den Körper”.

Klee klickt weiter in ihrer Präsentation. Es geht darum, wie man ein geeignetes Material für eine künstliche Linse gefunden hat. „Im Zweiten Weltkrieg hat man gesehen, dass Piloten, die einen Unfall hatten, die Splitter aus Plexiglas aus der Flugzeugkanzel im Auge gut vertragen haben”, erzählt sie. Und so setzt man diesen Kunststoff für die künstliche Linse ein. Nina notiert etwas auf ihrem Block. „Was schreibst du da mit?”, fragt ihre Nachbarin. „Das Wichtigste”, sagt Nina selbstbewusst.

Auf einer der nächsten Folien sehen die Kinder eine künstliche Aorta. Nina dreht den Kopf weg und als hätte die Professorin Ninas Reaktion gesehen, sagt sie: „Ich mache das Bild ganz schnell weg.”

Ob künstliche Linse oder Blutgefäße, Knieprothese oder neue Hüfte, die Frage lautet immer: „Akzeptiert der menschliche Körper den fremden Stoff oder nicht?”, kommt Klee an dem Punkt in ihrem Vortrag an, der ihr besonders wichtig ist. „Bitte seid noch mal ruhig.”

Ausgerechnet jetzt fällt Nina ihr Stift herunter, sie taucht ab. Klee fährt fort: „Wir wollen dem Implantat eine Tarnkappe anziehen, wisst ihr, was das ist?” „Nee”, sagt Nina, die aufgetaucht ist. „Wir bauen an die Prothese Signale, die der Körper kennt, so dass der Körper das Implantat nicht abstößt”, sagt Klee.

Nina packt ihren Stift in die Tasche. Klee spürt die Unruhe im Saal und öffnet die Kinderuni für Fragen. „Ist ein Herzschrittmacher ein Implantat?”, fragt ein Mädchen. Wie der Körper Titan annimmt, will der nächste Teilnehmer wissen. „Brauche ich eine Fernbedienung, um eine Beinprothese zu steuern?”, fragt ein Junge. Und als die Frage kommt, ob auch Tiere Implantate brauchen, packt Nina ihren Stift wieder aus.


Für alle, die mehr wissen möchten: Hydrogelschicht und biologische Signale

Wenn ein Material im Körper ankommt, docken Proteine aus dem Blut an der Oberfläche des körperfremden Materials an und lösen einen Entzündungs- oder Abstoßungsprozess aus. Um das zu verhindern, stellen Chemiker eine Hydrogelschicht her und binden sie vor Einsetzen des Implantats an dessen Oberfläche. „Zusätzlich binden wir auf diese Hydrogele biologische Signale”, erklärt Doris Klee das Beschichtungsverfahren. „Das sind zelleigene Proteine, die die körpereigenen Zellen kontrolliert an die Oberfläche locken, damit diese daran wachsen.”

Das können Signale für Knochenzellen sein, für Gefäßinnenhautzellen oder für Hautzellen. Die Beschichtung mit Hydrogel und biologischem Signal ist die Tarnkappe, die dafür sorgt, dass der Körper die fremden Zellen akzeptiert.

Das „Wollforschungsinstitut” (DWI) an der RWTH hat maßgeblich zur Entwicklung dieser Tarnkappen beigetragen, sagt Klee.


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