Aachen - Alles andere als „langweilig”: Palliativmedizin

Alles andere als „langweilig”: Palliativmedizin

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
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Aufmerksam zuhören bei einem schwierigen Thema: Bei der Kinderuni erfuhren die Nachwuchsstudenten alles über Pallitaivmedizin. Foto: Steindl

Aachen. Für die fünfjährige Carina Montag zieht sich der Vortrag in der Kinderuni in die Länge. Kein Wunder, denn für das Thema Palliativmedizin, das Professor Lukas Radbruch vorstellt, ist Carina noch zu jung. „Langweilig”, wird sie zu ihrem Vater Ingo nach einer guten halben Stunde Vortrag sagen.

Während die große Schwester Nicole, 8, mit knapp 1000 Kinderuni-Teilnehmern auf einem der blauen Stühle im Hörsaal Audimax sitzt und eifrig mitschreibt, verfolgen Carina und Vater Ingo mit rund 400 Müttern, Vätern und Großeltern das Geschehen per Videoübertragung in einem kleineren Hörsaal im Erdgeschoss. Die Kamera schwenkt weg vom Professor auf die Kinder in den Stuhlreihen. „Was machen die da?”, fragt Carina. „Na das, was wir machen”, antwortet ihr Vater. „Zuhören.”

Professor Radbruch hat Strohhalme verteilt und fordert seine jungen Hörer auf, nur durch die Halme zu atmen. Die Kinder sollen merken, was es bedeutet, unter Luftnot zu leiden. „Aber aufhören, bevor ihr umkippt”, warnt er. Die Eltern im kleinen Saal lachen. Radbruchs Art kommt an. Bei den Kleinen und bei den Großen.

Auf einer anderen Wand können die Erwachsenen auch die Folien zu Radbruchs Vortrag verfolgen. Doch die meisten schauen auf die Bilder aus dem Audimax. So wie Carina, die ihre große Schwester Nicole sucht.

„Für eine Fünfjährige ist das noch zu früh”, sagt Ingo Montag. Was seine ältere Tochter Nicole angeht, hat er keine Bedenken. „Der Vortrag ist super und kindgerecht. Nicole wird begeistert sein”, ist er sich sicher.

Wie schon bei der letzten Kinderuni über Lasertechnik. Da hat seine Frau die ältere Tochter zur Kinderuni begleitet. Dieses Mal macht er sich selbst ein Bild.

Mit dem Fallbeispiel von Fatma, einer Frau, die ohne Aussicht auf Heilung an Brustkrebs erkrankt ist, setzt Radbruch die Kinderuni fort.

Was hilft, wenn Medizin nicht mehr helfen kann? Der Professor macht den Kindern deutlich, was er mit seinem Team von Ärzten, Krankenpflegern, Psychologen, Krankengymnasten, Sozialarbeitern und Seelsorgern anstrebt: „Wir wollen nicht dem Leben mehr Tage, sondern dem Tag mehr Leben geben”, sagt der Direktor der Klinik für Palliativmedizin am Uniklinikum Aachen. Dazu gehört, Schmerzen und Luftnot zu lindern und die Patienten psychologisch zu betreuen. Bei Luftnot, erklärt der Professor, kann man Flüssigkeit aus der Lunge durch einen Rippenspalt ablassen. Und gegen Schmerzen gibt es gute Medikamente. In Form von Tabletten, Spritzen, Pflastern und neuerdings auch als Spray.

Und Radbruchs Team hilft den Patienten, sich ihre Träume zu erfüllen.
Fatmas größter Wunsch am Ende ihres Lebens: zurückkehren in ihre Heimat. Also hat Radbruch sie auf der 17-stündigen Reise in die Türkei begleitet. „Eine schöne Idee, nicht wahr?”, spricht Vater Ingo seine jüngere Tochter an.

Doch die ist mit ihren Gedanken woanders. Sie streichelt ihren Teddy und schaut angestrengt auf die Bilder aus dem Hörsaal. Ihre große Schwester hat sie immer noch nicht entdeckt. „Langweilig”, sagt sie also am Ende der Vorlesung und packt ihr Malbuch ein. Der Vater lacht. Ganz so langweilig nun auch wieder nicht, denn das Malbuch hat sie nicht gebraucht.

Mit Erhard Cramer hält ein Mathematikprofessor die nächste Kinderuni am Freitag, 16. April.
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