Aachen - Wer den Skandal liebt, der liebt „Strunx”

Wer den Skandal liebt, der liebt „Strunx”

Von: Sarah Sillius
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„Drum schreit der janze Saal: Total ejal!”: Die „Kappertz-Hölle” brodelte bereits beim Einmarsch des Strunx-Ensembles. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die „5 lustigen 4”, im grauen Trenchcoat und mit roten Nasen, schreiten durchs Publikum und betreten die Bühne. Die Menge klatscht und singt ihre geliebte Strunxhymne.

„Wir lieben den Skandal, drum schreit der janze Saal, total ejal, total ejal, total ejal!”

Die „5 lustigen 4” lässt das kalt, sie verziehen die Gesichter. „Nä, wat´n Elend!”, nörgeln die kauzigen Typen wie die Weltmeister über ihre Einsamkeit - und sind damit die Einzigen, die an diesem Abend keinen Spaß haben.

Premiere in „Kappertz-Hölle”

Die Strunxsitzung feiert ihren 20. Geburtstag im Saalbau Rothe Erde, der „Kappertz-Hölle”. Hunderte Fans des alternativen Karnevals sind am Wochenende der Einladung zur Premiere 2011 gefolgt. Viele von ihnen sind treue Strunx-Seelen und haben jede der 20 Kultveranstaltungen miterlebt.

Zur Feier des Tages übermitteln sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Benedikt XVI. (O-Ton: „Spiritus sanctus intus, totalum egalum”) ihre guten Wünsche an die „Strunxer”. Das unschlagbare Moderatorenduo Manni Hammers und Rudi Zins duzt sich trotz der zwei Jahrzehnte Bühnenpartnerschaft noch nicht. So viel Tradition muss sein - auch im alternativen Karneval.

Der weibliche Elferrat begeistert mit aufwändigen Geburtstagshüten, das Ensemble mit einem bunten Strauß aus Sketchen, Choreographien und Gesang. Dabei nehmen die bekannten Strunx-Gesichter - stark vertreten: die Formation „Grautvornix” - kein Blatt vor den Mund. Sie ziehen den traditionellen Karneval und die deutschen Politiker kräftig durch den Kakao.

Unter den Glücklichen freilich (Dr.) Karl-Theodor zu Guttenberg (im Übrigen auch das Lieblingskostüm des Abends), Guido Westerwelle als lebendige Handpuppe, die das alternative Publikum als „Sozialschmarotzer” beschimpft, und der Englisch-Guru Günther Oettinger. Der EU-Kommissar debattiert am Karnevalsgericht über die Abschaffung der Waffen in der Session.

„We are all sitting in one bütt!”, appelliert er - und heimst dafür lauten Protest vom traditionellen Karnevalisten ein. An mancher Stelle schießen die „Strunxer” vielleicht ein wenig über das Ziel hinaus. Zum Beispiel, als Colonia-Chor mit Tourette-Syndrom. Aber: Der Skandal gehört nun mal zum Konzept der schrillen Show, Tabus müssen gebrochen werden.

Auch Öcher Anekdötchen dürfen nicht fehlen. In den Aachener Kurkliniken werden Menschen mit Karnevalsphobie therapiert. Da ist Heike, die bei jedem Tusch den nächstbesten Typen küsst. Oder Carsten, der keine blöden Gesichter sehen kann. In einer Haarener Kneipe gibt es ein gutes Mittel, um aufdringliche Gäste zu verscheuchen - die pantomimische Beleidigung. Eine Aachener Politesse - eigentlich tief verbittert - verliebt sich in einen Knöllchen-Empfänger.

Ein Highlight ist auch die Wetter-Büttenrede von Hammers. „Zum Wetter sondert doch jeder seinen Senf ab”, sinniert der Moderator, der schon vor dem letzten Schneechaos in weiser Voraussicht das Salz von seinen Laugenbrezeln abgebröselt hatte. Ganz wichtig bei der wissenschaftlichen Wetteranalyse des Öchers ist der bedeutungsschwere Nebensatz „Ham se ja jemeldet”, erklärt Hammers.

Mit kuriosen Alltagsgeschichten geht es auf der Strunxbühne weiter. Da verkaufen Marktschreier Computerteile. Fahrgäste der Deutschen Bahn finden über ihre Handy-Gespräche zusammen. In einem deutschen Büro wird so viel gearbeitet, dass für den Karneval gerade mal eine Minute übrig bleibt. Nicht so in der „Kappertz-Hölle”.

Ein über dreistündiges Bühnenprogramm mit 19 kreativen Nummern geht schließlich mit dem Wall Street Theatre und seinen schwebenden leeren Müllsäcken zu Ende. Das Strunx-Ensemble wagt ein letztes Tänzchen - doch der Abend ist lange nicht vorbei.

Mit Live-Musik von der West-Kapelle feiern die Strunx-Freunde bis tief in die Nacht. Nur die „5 lustigen 4” (gespielt von Veronika Siebert, Jörg Limbrock, Michael Dahmen und Manni Rüsel) bejammern wohl immer noch ihr Elend. Doch um beim Motto zu bleiben: Das ist dem Rest „total ejal”.
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