Höppeweiler - Wenn es wackelig, eng und stickig wird

Wenn es wackelig, eng und stickig wird

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Schönes und schweres Amt: Hubert Steckemetz ist Präsident der Höppeweiler Jecke. Foto: Jacques Luurens

Höppeweiler. Von morgens bis morgens sind die Aktiven der Karnevalsvereine in diesen Tagen unterwegs – kaum eine freie Minute. 2008 war es unserer Zeitung zuletzt gelungen, den Präsidenten der KG Höppeweiler Jecke, Hubert Steckemetz, für ein Gespräch zu gewinnen. Nun hat er sich endlich mal wieder den Fragen unseres Mitarbeiters Josef Huppertz gestellt.

Herr Präsident, unser letztes Interview ist schon fünf Jahre her.

Steckemetz: Machen Se keinen Quatsch.

Sie sind mittlerweile 27 Jahre im Amt. Ans Aufhören denken Sie noch immer nicht?

Steckemetz: Fünf Tage vor Aschermittwoch muss ich dauernd daran denken. Dat is ja dat Schlimme: nach den tollen Tagen direkt diese Leere. Et is wie abjeschnitten.

Aber nächste Session machen Sie dann weiter – als Präsident, meine ich?

Steckemetz: Wer soll et denn sonst machen? Jlauben Se, da steht auch nur einer Schlange?

Ist das Amt des Elferratspräsidenten denn so unattraktiv?

Steckemetz: Dat will ich nich sagen. Aber wer in meine Fußstapfen tritt, bejibt sich auf ne kurvenreiche Strecke. Se müssen ja quasi ständig knallharte Entscheidungen treffen.

Die Schattenseiten eines hohen Amtes . . .

Steckemetz: Se sagen et.

Wie hat sich die KG Höppeweiler Jecke denn in der aktuellen Sexismus-Debatte aufgestellt?

Steckemetz: Och . . . (längere Pause)

Hat Ihr Verein dazu eine klare Haltung?

Steckemetz: Auf jeden Fall! Ich hab‘ im Elferrat klipp und klar jesacht: Da hört der Spaß auf!

Wo?

Steckemetz: Im Elferrat.

Nein, wo der Spaß aufhört?

Steckemetz: Ja, eben da – bei diesem janzen Sexismus.

Herr Steckemetz, lassen Sie es uns auf den Punkt bringen: Wo ziehen Sie beim Karnevalfeiern in dieser Frage die Grenze?

Steckemetz: Ja, sehen Se, dat isses doch. Dat können Se nich so einfach auf einen Punkt bringen; dat is ja quasi ne janze Kette. Da hilft Ihnen auch keine Jrenze, weil die Sache is ja jrade – also jradezu in sich selbst – jrenzenlos.

Herr Präsident, bitte: Wo liegt im Karneval konkret das Problem?

Steckemetz: Wenn ich dat wüsste! Dat is doch dat Problem. Se kriejen et nich ze fassen.

Herr Präsident, dem Thema Sexismus – auch und gerade im Karneval – müssen Sie sich stellen. In dieser Frage darf doch wirklich nicht gewackelt werden – oder?

Steckemetz: Da haben Se Recht! Auch bei uns im Verein – da wird immer viel zu viel jewackelt.

So kommen wir doch nicht weiter, Herr Steckemetz.

Steckemetz: Dat is aber Ihr Problem.

Manche sagen, im Karneval müsse man auch mal Fünfe gerade sein lassen.

Steckemetz: Sind die dat nich?

Teilen Sie denn die Ansicht, man müsse einfach mal ein Auge zudrücken.

Steckemetz: Ja, ich mein‘, wenn Se de Augen zudrücken, sehen Se ja nichts. Dann is et ja ejal. (lacht laut) „Wat ich nich seh, tut mir nich weh“, sach ich immer. Herr Huppertz, Se müssen sich jetzt aber auch mal entscheiden, wat Se eijentlich wollen.

Es hat keinen Zweck.

Steckemetz: Dat sach ich auch immer: Et hat keinen Zweck. Thema durch!

Lassen Sie es mich von einer anderen Seite versuchen.

Steckemetz: Bitte, versuchen können Se ja.

Sie haben doch eine Tochter.

Steckemetz: Joouu, dat Tamara!

Und die ist Tanzmariechen.

Steckemetz: Dat isse.

Wie alt ist sie?

Steckemetz: 21.

Machen Sie sich keine Sorgen um Ihr Kind?

Steckemetz: (lacht laut) Neeääh! Ham Se die mal jesehn? Wer da, sach ich mal, jrenzenlos tätig werden will, dem knallt se den Stiefel aber sonstwo hin, um et mal auf Ihren Punkt zu bringen.

Sie muss doch sicher viel trainieren.

Steckemetz: Dat kann man wohl sagen; und dat fängt natürlich immer bei uns im Wohnzimmer an. Dat is auch nich nur Freude. Wir lassen den Weihnachtsbaum ja normalerweise bis Mariä Lichtmess stehen. Aber letzte Woche, dat Tamara übt jrade den Jrätschsprung . . . Paaaf!!! – hängt die in den Kugeln. Da war der Baum hin, und meine Frau musste dem Kind ne halbe Stunde lang die Nadeln aus der Wade pulen.

Jetzt in den karnevalistischen Spitzentagen haben Tanzmariechen doch keine freie Minute: ein Dutzend Auftritte, rein in den Bus, raus aus dem Bus, aufwärmen, Einmarsch, Tanz und wieder Abmarsch . . .

Steckemetz: Janz wichtig ist das Aufwärmen.

Sonst kann man sich schnell was zerren oder reißen.

Steckemetz: Et jibt Mariechen, da besteht höchstens die Jefahr, dat die Uniform reißt.

Aber die sind doch alle so gertenschlank.

Steckemetz: Soo?? Da gehen Se mal durch die Säle! Da können Se die tollsten Sachen erleben. Denken Se nur mal an so Bühnenbretter; die sind ja auch irjendwann an der Jrenze der Belastbarkeit. Wenn dat eine oder andere Mariechen da rumspringt . . . Paaaf!!! Dat hab ich alles schon erlebt. Da tanzen die unter der Bühne weiter; sehen Se oben nur noch den Kopp rausgucken.

Viele Mariechen lächeln beim Tanzen gar nicht, sondern gucken immer ganz konzentriert und streng geradeaus.

Steckemetz: Dat stimmt. Die tanzen vom Teleprompter.

Ihre Tochter auch?

Steckemetz: Natürlich nich. Dat is en Profi. Leider tanzt sie ab nächster Session nicht mehr bei uns, sondern bei den „Flotten Tridentinerinnen“.

Was ist das denn?

Steckemetz: Dat is ne janz irre Truppe. Die tanzen immer mit dem Rücken zum Publikum.

Macht es Tamara denn jetzt noch Spaß bei den „Höppewiiler Wonneproppe“?

Steckemetz: Dat will ich der wohl raten.

Warum ist sie denn überhaupt Tanzmariechen geworden?

Steckemetz: Ja, äähh, so viele andere Möglichkeiten jibt et hier in Höppeweiler ja nich.

Wann hat Tamara angefangen zu tanzen?

Steckemetz: Mit neun Monaten.

Wie bitte? Konnte sie denn so früh laufen?

Steckemetz: Neäh, wieso? Fürs Tanzen musst’e ja nich laufen können. Die hängen ja eh meist im Spajat, und auf der Bühne is sowieso kaum Platz.

Ja, das sieht immer ziemlich eng aus. Ist das nicht gefährlich?

Steckemetz: Dat können Se sagen! Die Leute denken immer, die Jardisten stehen da nur rum. Die sind aber froh, wenn sie überhaupt stehen bleiben können. Entweder kriejen se nen Stiefel vom Mariechen in den Magen, oder se können sich eh nich mehr auf den Beinen halten, oder se fliejen hinten über den Elferratstisch, weil von vorne ständig nachjedrückt wird.

Trotzdem muss es doch ein herrliches Gefühl sein, wenn so viele Menschen im Saal Ihnen, Ihrer Tochter und Ihrer KG zujubeln.

Steckemetz: Ja, jut, wat sollen se auch sonst machen?

Sie könnten ja auch pfeifen oder die ganze Garde ausbuhen.

Steckemetz: Hab‘ ich noch nich erlebt. Dazu sind die im Publikum auch gar nich in der Lage. Die meisten haben et ja schon hinter sich, bevor et losjeht – kein Wunder bei der Luft im Saal.

Sie begrüßen also das Rauchverbot auch bei Karnevalsveranstaltungen?

Steckemetz: Dat würde ich so nich sagen.

Wie gehen Sie denn damit um?

Steckemetz: Ich hab auf unserer Galasitzung letzte Woche jesacht: „Leute, nächstes Jahr ist Schluss. Also raucht jetzt schon mal ein paar Kippen vor!“

Und wie war die Reaktion?

Steckemetz: Jroßartig. Die haben jepieft wie seit den 70er Jahren nich mehr. Wir haben sojar unseren alten Tanzoffizier noch mal tanzen lassen, obwohl der jar nichts mehr auf de Reihe kriegt. Aber bei dem Qualm hat dat kein Aas jesehn. Auf die Idee hätte man mal früher kommen müssen. Da hätte ich mir dat mit dem Pro-jramm jedes Jahr einfacher machen können. Aber jetzt ist ja sowieso Schluss mit dem Rauchen.

Was machen Sie denn nächstes Jahr?

Steckemetz: Wir machen de Sitzungen alle open air.

Wird das nicht ein bisschen kalt?

Steckemetz: Man kann nich alles haben.

Aber das ist doch ungerecht gegenüber den Nichtrauchern.

Steckemetz: Wir machen so nen Livestream; dann können die dat auf dem PC vom Pillekamp gucken.

Wer ist denn Pillekamp?

Steckemetz: Der Wirt vom Saalbau Backes.

Das heißt also: Die einen frieren draußen, und die anderen knubbeln sich im Saalbau vor dem PC.

Steckemetz: Jenau. Ich sag ja immer: Der Sitzungskarneval muss sich ändern. Wir brauchen neue Ideen.

Haben Sie auch neue Ideen für Ihren Rosenmontagszug in Höppeweiler?

Steckemetz: Haben wir! Passen Se auf: Die Jarden jehn und die Wagen fahren dieses Jahr alle – rückwärts. Dann dauert et länger, und Sie haben in dem einen oder anderen Vorjarten noch ne zusätzliche Überraschung.

Toller Einfall.

Steckemetz: Find ich auch. Höppewiiler Alaaf!

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