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Suchthilfe warnt vor „Komasaufen” an den jecken Tagen

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Aachen. Im Berlin steht ein Wirt vor Gericht, in dessen Kneipe sich ein 16-Jähriger totgesoffen hat.

In Aachen warnt die Suchthilfe kurz vor den tollen Tagen eindringlich vor dem „Komasaufen” bei Jugendlichen: „Die Karnevalstage sind für viele Jugendliche ein willkommener Anlass, sich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken.”

Zwar trinken mittlerweile weniger Jugendliche einmal in der Woche Alkohol: 21, 4 Prozent waren es 2004, 17,4 Prozent im Jahr 2008. Das „Komasaufen” aber liege bei Jugendlichen unverändert im Trend, warnt die Suchthilfe.

„Alkohol übt auf Jugendliche eine unwahrscheinlich hohe Anziehungskraft aus, die durch Gruppendruck und öffentliche Ereignisse - wie etwa Karneval - zusätzlich verstärkt wird”, erklärt Gudrun Jelich von der Fachstelle für Suchtprävention bei der Suchthilfe Aachen. „Man fühlt sich lockerer, lustiger, attraktiver und selbstsicherer.” Bei vielen steigt mit dem Alkoholpegel auch die Bereitschaft zur Gewalt. Jeder vierte Heranwachsende war laut Kriminalstatistik zur Tatzeit alkoholisiert, bei den Gewalttätern sogar jeder zweite.

Immer mehr Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 19 Jahren landen wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus: Im Jahr 2000 gab es 9500 Betroffene, 2006 zählte man schon 19500 Fälle.

Gudrun Jelich dazu: „Die Dunkelziffer dürfte jedoch noch höher liegen. Denn nicht alle jungen Leute, die sich zur Ekstase betrinken, werden ins Krankenhaus geliefert. Und wer sich im Rausch ein Bein bricht, der taucht in der Statistik unter âBeinbruch´, aber nicht unter âTrunkenheit´ auf.”

Für besorgte Eltern bietet die Suchthilfe Aachen vor den tollen Tagen Informationen und Beratung. „Eltern sind Vorbilder, und wie sie mit Alkohol im Alltag, aber auch zu besonderen Anlässen umgehen, ist entscheidend,” erklärt Wolfgang Oberstaller. Wichtig sei, gemeinsam Regeln zum Umgang mit Alkohol auszuhandeln. Dazu gehört: Kein Alkohol für unter 16-Jährige! Keine harten Alkoholika für unter 18-Jährige! „Bleiben Sie auch an den närrischen Tagen eindeutig und halten Sie sich an das Jugendschutzgesetz! Unterstützen Sie den Kauf von alkoholischen Getränken nicht”, appelliert Oberstaller.

„Und sollte Ihr Kind doch betrunken nach Hause kommen, bewahren Sie Ruhe. Ein Eimer am Bett und ein kalter Waschlappen helfen”, sagt Yvonne Michel von der Suchthilfe.

Am nächsten Tag sollte der Vorfall ohne Vorwürfe besprochen werden. „Machen Sie deutlich, dass Sie sich Sorgen machen. Versuchen Sie auch etwas über die Umstände der Trunkenheit zu erfahren und zeigen Sie Interesse an der Meinung des Jugendlichen. Informieren Sie Ihr Kind über die Risiken des Komasaufens.”
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