Sporter des Jahres Freisteller Sportlerwahl Sportlergala Freisteller
Deiters

Schunkeln und Tanzen auf der Kö

Von: Stefan Säemann, ddp
Letzte Aktualisierung:
düsseldorf karneval kö
Trotz klirrender Kälte feierten Tausende Jecken auf den Straßen von Nordrhein-Westfalen ausgelassen Karneval. Auf Düsseldorfs Prachtboulevard, der Königsallee, sammelten sich am Morgen Tausende von Kostümierten zum Flanieren. Foto: ddp

Düsseldorf. Großflächige Holzplatten vor den Häusern, darüber die geschwungenen Schriftzüge nobler Modemarken: Am Samstag gleich nach Ladenschluss hatten die Ladenbesitzer auf Düsseldorfs Prachtboulevard Königsallee vorsorglich ihre Schaufenster verbarrikadiert. Am Sonntagmorgen dann strömten Tausende Jecken in bunten Kostümen auf die Kö, etliche mit Bollerwagen im Schlepptau.

Es ist 11.11 Uhr am vierten Tag des rheinischen Straßenkarnevals, noch 24 Stunden bis zum Höhepunkt der närrischen Saison, dem Rosenmontagszug. Traditionell gehört der Karnevalssonntag dem Jeckenvolk. Keine Umzüge, kein Prinzenpaar, keine Orden und keine närrischen Regularien: Das karnevalistische „Proletariat” erobert die Kö. Ein Clown mit bunter Latzhose hält ein Schild in die Höhe: „Hartz IV muss weg - jeck we can”.

Ein Schlumpf stapft durch den Schneematsch, ein Neandertaler wärmt sich seine Hände über einem Grill. Ganzkörperkostüme haben in diesem Jahr Hochkonjunktur. Eisbären tanzen um einen Wagen, vollgepackt mit Bierfässchen und Schnapsflaschen, obendrüber prangt ein Schild mit der Aufschrift: „Klimaflüchtlinge”. Ein Ehepaar ist kurzerhand in seine Skianzüge geschlüpft, ohne klobige Skischuhe allerdings. „Man passt sich eben dem Wetter an”, sagt der Mann. Kleine Kinder in Marienkäfer-Kostümen greifen hüpfend nach Schneeflocken.

An einer der etlichen Altbierbuden entlang der Kö kritzelt eine Frau mit Kreide auf die Tafel: „Glühwein - 2,50 Euro”. Sie sagt: „Nur für alle Fälle. Die meisten bleiben aber doch dem Altbier treu.” Derweil scheppern aus den Lautsprechern heitere Schunkellieder: „Ist das Leben hier am Rhein doch lebenswert.”

Ein älterer Herr macht seinen sonntäglichen Spaziergang über die Kö, bloß diesmal mit roter Knollennase. Er nimmt die Pfeife aus dem Mund und fängt an: „Ach, wissen Sie, damals vor 30 Jahren...”

Das tintenblaue Krümelmonster fühlt sich wohl unter seinem wuscheligen Fell: „Das hat meine Mutter extra genäht”, erzählt der Mann aus dem Ruhrpott. Der Kö-Sonntag sei für ihn das „Warm-up für den Rosenmontag”. Auch die „Tigerfamilie” kennt kein Kälteproblem. „Wir haben alle drei Lagen drunter an”, verrät Vater Sven Langmeier. Und seine Frau zeigt auf den Handwagen mit dem Bierfässchen: „Wir haben auch noch Glühwein dabei.”

Ein Kind im glutfarbenen Teufelskostüm aus Pappmaché wird von seinen Eltern im Bollerwagen an den Ständen vorbeigezogen. „Logisch ist das selbst gemacht”, sagt der Vater. Das Tolle am Kö-Sonntag sei, dass er „so friedlich” verlaufe. „Genau das Richtige für einen Karneval mit Kind und Kegel.”

Zwei Studenten haben sich im Partnerlook jeweils ein giftgrünes Plastikkleid übergestülpt und einen pinken Rüschenschal um den Hals gewickelt. „Es ist zwar etwas dünn, aber es gibt ja Thermowäsche und Altbier”, sagt einer. Der andere versichert: „Am Rosenmontag geht es definitiv weiter.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert