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Prinzengarde zaubert völlig jecke Welt

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Erkennen Sie die Melodie? Schlabber (Bernd Horbach, l.) und Latz (Dieter Baumanns) haben was Neues entdeckt: Die Massenhypnose. Das derartige Versenden von Liedern geriet bei der Show zum roten Faden und forderte das Publikum stimmlich heraus. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Ach, wenn Alsdorf doch wie Hogwarts wär! Dann könnten die ersehnten Fördermittel getrost Fördermittel bleiben. Stattdessen einfach flugs die Zauberstäbe rausgeholt, marode Schulen weggezaubert und neue hingehext. Tja, wenn. Ist aber nicht so. Allenfalls bei der Sitzung der Alsdorfer Prinzengarde.

Die ist diesmal nämlich noch ein wenig zauberhafter ausgefallen als gewohnt. Was ein Harry Potter kann, können „Schlabber und Latz” schließlich schon lange...

Die beiden Moderatoren der Sitzung, Bernd „Schäng Schlabber” Horbach und Dieter „Lutz Latz” Baumanns, flimmerten zur Eröffnung der Preview-Show in der Stadthalle erstmals nicht selbst über die Leinwand. Statt für einen Eröffnungsfilm vor die Kamera zu treten, hatte das debil-dynamische Duo sich in Hollywood bedient und die Leinwandabenteuer des berühmten Zauberschülers neu synchronisiert.

Potter auf Platt - das hört man auch nicht alle Tage. Gut fünf Minuten dauerte der quirlige Einstieg, der mit Lokalkolorit nicht geizte. Wo sonst erfährt man schon, dass Bürgermeister Alfred Sonders vor seinem politischen Höhenflug beim Ritt auf einem Zauberbesen keine sonderlich gute Figur gemacht hat? Oder dass ein beinahe kopfloser Bernd Mortimer einem Brand(t) zum Opfer fiel und fürderhin mit lautem Rufe spuken will: „ABU(h)”?

Starkes Entrée

Die Stärken dieses Entrées wurden mit geballter personeller Power - gut 200 Helfer waren hinter und auf der Bühne aktiv - fortgesetzt. Mehr als vier Stunden lang dauerte der Spaß unter dem Motto „Wünsche, Wunder, Zauberwelten”. Ein Spaß, der traditionellen Karneval leichtfüßig mit modernen Showelementen paarte.

Wo andere Gesellschaften mangels Rednern kleckern müssen, konnte die Prinzengarde klotzen: Gleich drei Mal wurde die froschgrüne Bütt auf die Bühne gerollt. Der vierte Redner in der Märchenrunde, Jürgen Beckers, war am ersten Abend und bei der Premiere am folgenden Tag noch in anderer närrischer Mission unterwegs.

Um Pointen waren seine Mitstreiter nicht verlegen. Ingo Kohnen blickte aufs Wahljahr zurück und verriet, warum er Wahlplakate weitaus mehr schätzt, als die auf ihnen abgebildeten Politiker: „Die sind tragbar, schweigsam und leicht zu entfernen!” Scheu vorm großen närrischen Nachbarn zeigte der Alsdorfer nicht: „Haben sie die Ordenssitzung Wider den tierischen Ernst gesehen? Das ist doch gar kein Karneval mehr - bloß noch ein Politiker-Schaulaufen!”

Wie gewohnt, kam die Prinzengarde ohne „zugekaufte” Kräfte aus. Allenfalls Zugereiste waren erlaubt. So glänzte in seiner angestammten Rolle als „der Holländer” der gebürtige Niederländer Jan Schröder. Jüngst habe er sich spaßeshalber als Bettler in Aachen versucht. Bilanz nach einer Stunde: satte 380 Euro im Hut! Wie hat er´s gemacht? „Ich hab´ ein Schild hingestellt: Bin Holländer - möchte wieder nach Hause”. Clever, der Mann.

Vom Leid mit der Gattin erzählte als „ne ärme Ehemann” Manni Dreschers. Jüngst habe die Frau mit ihm verreisen wollen. Nach Paris, in die Stadt der Liebe. Darauf er: „Nee, wir fahren mal besser nach Shanghai, in die Stadt des Drachen!” Szenen einer langen Ehe, die ebenfalls mit viel Applaus gekrönt wurden.

Die Reden des Abends setzten Akzente im Programm, das viele Tänze bot. Unter anderem präsentiert von den „Delights”, einer aus der Gardeströpp hervorgegangenen Nachwuchsgruppe. Auch die „Steps” der Balettschule Harlekin standen mit Choreographien zu Michael-Jackson-Songs einmal mehr bei der Prinzengarde auf der Bühne. An selige „Gaud’”-Zeiten in der Halle erinnerten die Marketenderinnen, die mit „Puppet Master” einen Song des - zumindest in Alsdorf - erfolgreichen Musicals servierten.

Frösche knutschen

Wer Frösche knutscht, sollte einen langen Atem haben - denn die zum Prinzen mutierte Amphibie wird man womöglich nie mehr los! Diesen Tipp gab es von den „Karnickels”, die sich frech durch die Märchenwelt sangen und tanzten. Und die einen tapferen Jürgen Baumanns in feuerroten und höllisch unbequemen Pumps zeigten, derer er sich vor der Zugabe kurzerhand entledigte. Mut zur Verkleidung zeigte bei einer Parodie auf die Welt der Volksmusik auch das Elferratsballett. Ob wie Ex-Prinz Toni Klein mit platinblonder Perücke als Helene Fischer, als Heino oder „Jopi” Heesters - diese Persiflage kam bestens an.

Dank an die Sponsoren

Bei der Preview wurde auch den Gönnern auf der von der Bautruppe der Garde dekorierten Bühne gedankt. Schlabber und Latz revanchierten sich für die Unterstützung bei unserer Tageszeitung, vertreten durch Lokalchef Karl Stüber, der Aachener Bank in Alsdorf mit Geschäftsführer Karl-Heinz Heinen, bei Dietmar Oetterer (BMW Kohl) sowie Frank Dohmen (Karnevalswierts) mit Blümchen.

Rauschend war der Empfang für Prinz David I. und seine Sabrina. Das Heimspiel mit der Garde geriet zum jecken Triumphzug - und brachte mit gewaltigem Gefolge die Bühne an ihre Kapazitätsgrenze. Doch so imposant war diese jecke Mixtur nicht nur an dieser Stelle - sondern jederzeit.
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