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Närrische Orden: Hingucker der fünften Jahreszeit

Von: Birgit Reichert, dpa
Letzte Aktualisierung:
KINA - Viele Narren hängen sich gern Orden um den Hals
Lilia Poloschenko bemalt in der Emailleabteilung der Firma Stuco in Speicher einen Karnevalsorden. Foto: dpa

Speicher. Orden gehören zum Karneval wie Büttenredner und fliegende Kamellen. An bunten Kordeln um den Hals gehängt, tragen Narren den metallenen Schmuck stolz durch die fünfte Jahreszeit. Die meisten bekommen ihn als Auszeichnung für ihren närrischen Einsatz, manche kaufen ihn beim Fastnachtsverein.

Etwa 150.000 Orden, die in diesen Tagen bei Umzügen, Sitzungen und Partys getragen werden, kommen aus dem kleinen Eifel-Ort Speicher. In Handarbeit stellt die Firma Stuco den begehrten Fastnachtsschmuck her - in zig Motiven, Farben und Formen. „Der Fantasie ist keine Grenze gesetzt”, sagt Produktionsleiter Gerhard Müller.

Vergoldete Motivwagen, lachende Clowns, Rathäuser oder Kirchen sind immer wieder gern genommene Plaketten. Beim Ordens-Geschmack gibt es regionale Unterschiede, sagt der Graveurmeister. Im Kölner Raum sind glänzende, echt vergoldete Orden „in” - gerne auch mit Strass-Steinen verziert. Von der Eifel bis Süddeutschland dagegen wählten Vereine eher Relief-Motive mit historischen Gebäuden, Burgen und Gotteshäusern in Bronze- und Altsilbertönen. Stuco beliefert mehrere 100 Vereine unter anderem in allen deutschen Fastnachtshochburgen sowie Narren im benachbarten Ausland.

„So ein Orden hat eine unglaublich große Ausstrahlungskraft”, sagt die Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval, Sigrid Krebs. Oft seien es „prunkvolle kleine Kunsthandwerke”, Zeichen der jeweiligen Zeit. Ein Orden wird meist jedes Jahr neu aufgelegt. „Karneval ist Freude schenken” - und ein Orden sei ein „direktes Dankeschön von Person zu Person”. Rund 1400 Proklamationsorden und 90 000 Festabzeichen liefert Stuco dieses Jahr an das Festkomitee.

Die Mainzer Prinzengarde hat ihren Kampagne-Orden auch aus der Eifel bekommen. Reliefartig kunstvoll herausgearbeitet sei auf einer goldenen Scheibe der 1000 Jahre alte Mainzer Dom mit der Garde im Vordergrund, sagt Präsident Karl Otto Armbrüster. Der Orden werde ausschließlich verliehen, und zwar an die, die sich um die „Meenzer Fassenacht” verdient gemacht haben. „Das kann auch der Fahrer der Kutsche beim Rosenmontagszug sein”, sagt er. Über die Zahl der bestellten Orden werde traditionell geschwiegen, sagt Armbrüster.

Kurz vor der heißen Karnevals-Phase müssen die Ordenshersteller in Speicher kräftig Überstunden machen. Jeden Tag verlassen noch um die 1000 frisch geprägte oder gestanzte Orden das Haus. „Die letzten zwei Wochen sind die härtesten für uns.” Manche Vereine bestellen schon nach, andere kommen einfach auf den letzten Drücker. Stuco macht mit seinem Ordens-Geschäft bereits eine Million Euro Umsatz im Jahr und hat jährliche Zuwachsraten um die 10 bis 20 Prozent. Bundesweit zählt das Unternehmen mit seinen etwa 100 Mitarbeitern zu den drei, vier größten Herstellern von Karnevalsorden, sagt Müller.

Dabei ist es egal, ob der Auftrag nur 20 Orden oder 2000 Stück hat. Vereine können auswählen aus einem Standardsortiment von rund 50 Orden - oder ihren „Hingucker” auch individuell bestellen. „Manche kommen mit einer einfachen Skizze”, sagt Müller. In mehr als 35 Arbeitsschritten von der Reinzeichnung über die Gravur des Stempels und das Stanzen der Rohlinge bis zur galvanischen Veredelung. Karnevalsorden wurden erstmals im 19. Jahrhundert als Persiflage auf die militärischen Orden der Preußen verliehen.

„So ein Orden hat schon einen Stellenwert”, sagt Stefan Feltes, Präsidiumsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK). Vor allem wenn es ein Ehrenorden ist. Es gebe auch Karnevalisten, „die ordensverrückt sind und überall versuchen, einen zu erhaschen.” In Trier gibt es zum Beispiel eine Reihe von „Ordensfesten”, die Vereine organisieren und bei denen jeder Gast einen Orden empfängt. So kommt es vor, dass der eine Narr nur einen Orden um den Hals baumeln lässt, der andere sich aber mit seinen Trophäen vollhängt.

Feltes, auch Zugleiter des Trierer Rosenmontagszugs, bekommt jedes Jahr im Schnitt um die 20 Orden. Ganz sicher hängt er sich aber immer einen um: den Prinzenorden. Denn: „Wenn man einen Prinzenorden bekommen hat, und dabei erwischt wird, dass man ihn nicht trägt, muss man dem Prinzen und seiner Begleitung einen ausgeben.” Und das kann teuer werden - je nachdem wie groß das königliche Gefolge ist.
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