Düren - Lehrer Welsch verlegt die Kayjass ins Haus der Stadt

Lehrer Welsch verlegt die Kayjass ins Haus der Stadt

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Die Hänneschengruppe sorgte mit ihren Krätzjer und spitzfindigen Reimen für Beifallsstürme im Haus der Stadt. Foto: Schmitz

Düren. Heiter und nachdenklich, besinnlich und unterhaltsam: Die Närrische Akademie, die zum sechsten Mal tagte, hielt es diesmal mit den leiseren Tönen. Lehrreiches über den Karneval hörten die jüngeren und älteren Semester, nach dem der Pedell, Prof. Dr. Herbert Schmidt, den Unterricht eröffnet hatte und den Referent der Vorlesung den oft besungenen „Lehrer Welsch” (Karl Becker) vorgestellt hatte.

„Die Bildungsoffensive der Regierung ist in Düren besonders angekommen”, meinte der zum Hausmeister mutierte Sparkassenvorstand mit einem Augenzwinkern, der mit dem ehemaligen Schulleiter der katholischen Hauptschule Großer Griechenmarkt ein kölsches Karnevalsjuwel auf der Bühne im ausverkauften Haus der Stadt präsentierte. Hinter dem Schulnamen verbirgt sich nichts anderes als „De Kayjass Nummer Null”.

Die Pflege der Mundart

Bescheiden, sinnesfroh und schlitzohrig zeigte sich der Pädagoge am Pult, der sich seit Jahren damit beschäftigt, kölsches Kulturgut wie Karneval und Brauchtum an Kinder und Jugendliche zu vermitteln. Zugute kam ihm dabei, dass er als „demokratischer Schulleiter („Zu sagen habe ich”) seine Vorstellungen umsetzen konnte: die Pflege der Mundart und des kölschen Gesangs. Und als er die Ergebnisse seiner Arbeit, den Schulchor, vorstellte, wurde aus den Studenten schier ein karnevalistisches Verbindungscorps.

Mit stehenden Ovationen wurden die Gesangsbeiträge gefeiert, von neueren Melodien bis zu den „kölschen Liedern mit Herz”, dem eigenen Schullied und dem Song vom „Stammbaum”. Da geriet das nicht immer aufmerksame Publikum aus dem Häuschen.

Das Stimmungsbarometer zeigte das Hoch weiter an beim Auftritt der „Hänneschengruppe”, die mit ihren Krätzjer und ausgefeilten Reimen die karnevalistischen Sinne ansprach. An die hatte auch „Lehrer Welsch” appelliert, als er über die Philosophie der Liedzeile „Drei mal Null ist Null”, so die hochdeutsche Übersetzung, sinnierte. Alle sind gleich, im Karneval sollten Standesunterschiede aufgehoben sein, dozierte der Redner im Frack, um süffisant auf die Unterschiede einer normalen Karnevalssitzung zu einer Inthronisation hinzuweisen.

Leichtigkeit und Heiterkeit im Kostüm gegenüber Event-Mentalität im Smoking und nicht mehr zu bezahlbaren Veranstaltungen. Ein Lob zollte er allen voran den „Bläck Fööss”, die mit ihren Liedern vor ein paar Jahren „eine Trendwende hin zu Karneval mit Herz und in Mundart” geschafft hätten. Karneval für die Seele, die Idee der Ironie und Persiflage sei am besten im Dialekt zu erreichen.

Eine Meinung, die auch Dürens Bürgermeister Paul Larue vertritt. Angetan vom Vortrag, will der Mundartspezialist aus dem Rathaus sich dafür einsetzen, dass vielleicht in den offenen Ganztagsschulen im Nachmittagsbetrieb die eine oder andere Stunde für Brauchtumspflege in Zusammenarbeit mit den Närrischen Norddürenern abgezweigt werden kann. In der Nordstadt biete die Schullandschaft von der Grund- bis zur Realschule gute Voraussetzungen. Und eine KG, die am Sonntag unter anderem mit dem Gardecorps, Tanzmariechen Svenja Rademacher und den „Nordstadtmösche” zeigte, was sie drauf hat.

Ein Akademietag mit Unterhaltsamem und Lehrreichem für Erstsemester oder die „Ewigen”, die nun schon zwölf Semester auf dem Buckel haben.
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