Aachen - Kleine Brötchen werden hier nicht gebacken

Kleine Brötchen werden hier nicht gebacken

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Turbulente Show im Eurogress: Die Aachener Bäcker boten erst eine klassische Karnevalssitzung, dann eine riesige Party. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Am Ende des Abends ist es schade, dass sich keiner der Auftretenden verspätet hat. Weil sich so keine Lücke im Programm des Bäckerballs ergab. Denn die wird stets durch Heinz Klein und Josef Drouven gefüllt.

Als Puffel und Strick singen die beiden Bäckermeister ein Lied, dass sich im Wesentlichen auf die Wörter „Puffel” und „Strick” beschränkt.

Es hat etwas Tanzbärhaftes, wenn sie dort oben auf der Bühne stehen. Sie singen nicht besonders virtuos, aber dafür mit viel Herz. Beim Publikum kommt die Puffel-und-Strick-Hymne immer bestens an. Vielleicht gerade, weil sie ein bisschen weniger professionell wirkt als der Rest des Programms.

Puffel-und-Strick-Nummer

Am Ende des Abends steht aber auch fest, dass die fehlende Puffel-und-Strick-Nummer das einzige ist, was sich an der Veranstaltung überhaupt kritisieren lässt. Der Bäckerball ist eine Institution des Aachener Karnevals, wahrscheinlich eine der schönsten Sitzungen, die es in der Stadt gibt.

Moderator Michael Nobis begrüßt die etwa 2600 Gäste im Eurogress - inklusive Party im Foyer - zur 59. Auflage. Natürlich ist die Veranstaltung ausverkauft, das ist sie immer. Das Pärchen am Nebentisch erzählt, es sei zum 45. Mal dabei.

Wenn man Karneval auf sein wesentliches Merkmal herunterbricht, dann kommt man zur Tradition. Die wird von allen Akteuren auf der Bühne verkörpert, aber drei von ihnen ragen heraus.

Josef, Jupp und Jüppchen

Da sind zunächst mal Josef, Jupp und Jüppchen. Seit einem Vierteljahrhundert sind sie aus dem Aachener Karneval nicht mehr wegzudenken, auch auf der Bäckerball-Bühne feiern sie Jubiläum. Langer Anlauf, dann die Pointe und vor dem Abschied noch ein Liedchen. Das Publikum erwartet es so, es freut sich darauf, und es hat eine Menge Spaß.

Gleiches gilt für Heini Mercks. Schwarz-gelber-Ringelpulli, weiße Handschuhe; so steht er seit Jahrzehnten in der Bütt. Auch beim Bäckerball kommt das, was er erzählt, bestens an. Und dann ist da noch Dr. Dirk von Pezold, der es tatsächlich geschafft hat, dem kauzigen Öcher Original Lennet Kann seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Und auch bei ihm gilt: Das Publikum weiß, was es erwarten kann, und das bekommt es auch. Und genau dafür spendet es dann frenetischen Applaus. Tradition eben, Brauchtumspflege, wie sie sein soll.

Um die machen sich auch die Jonge vajjen Beverau verdient, die gleich zwei gelungene Auftritte absolvieren. Beim ersten steht auch die EU-Abgeordnete Sabine Verheyen mit auf der Bühne, die sogar mutig zur Solo-Nummer ansetzt. Fazit: Vom Stimmen sammeln versteht sie was, ihre eigene kann sich auch hören lassen.

Ohne Tanzgruppen geht es natürlich nicht, und hierbei gelingt es den Bäckerball-Organisatoren mit den Friends of Fantasy, TN Boom und der Tanzgruppe Fauth, ein bemerkenswert hohes Niveau auf die Bühne zu bringen.

Die „Ein-Mann-KG Övverm Bersch”, alias Thomas Beys, hätte sicher ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt, genau wie der tollpatschige Monsieur Malheur, eine Mischung aus stolperndem Dinner-for-One-Kellner und Laurel und Hardy ohne Hardy.

Bevor die Sitzung dann endgültig in eine Party übergeht, marschiert Prinz Alwin I. mit seinem Hofstaat auf die Bühne. Und obwohl es an diesem Abend eine Menge Termine zu absolvieren gibt, sind auch sie pünktlich. Schade eigentlich. Aber nur, weil für Lückenfüller kein Platz blieb.
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