Jülicher Land - Jecke Namen aus dem Jülicher Land: Pfeifen, Blumen, Nikoläuse

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Jecke Namen aus dem Jülicher Land: Pfeifen, Blumen, Nikoläuse

Von: jan/smb
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Elf mal jeck: Karnevalsgesellschaften aus dem Jülicher Land. Grafik: ZVA

Jülicher Land. Die Namen der Karnevalsgesellschaften geben Zeugnis ab für die Vergangenheit eines Dorfs, sind aus einer Bierlaune heraus entstanden oder die Worte sind zum richtigen Zeitpunkt im Gehörgang der Narren hängengeblieben.

Interessante Geschichten stecken hinten allen Namen der Karnevalsgesellschaften aus dem Jülicher Land. Hier sind elf davon.

Bärmer Sandhase: Der Häuslebauer wurde in früheren Zeiten in Barmen direkt vor der noch nicht gemauerten Haustüre fündig. Am West-Ende Barmens gab es einen schier unerschöpflichen Sandberg. So kommt der Sand in den KG-Namen. Und die Hasen hoppeln noch heute über die Wiesen und durch die Wälder rund um Barmen. Deswegen haben Menschen aus den umliegenden Ortschaften die Barmener gerne als Sandhasen bezeichnet. So kam der KG-Name bei Gründung 1991 zu Stande.

Schlemmännchere Dürboslar: Wer bei den Schlemmännchere aus Dürboslar an Menschen denkt, die ein Faible für leckeres Essen haben, der ist auf dem Holzweg. Schlemm ist die Jülich-rheinische Version des Wortes schlimm. Der närrischen Legende nach hat es in Dürboslar vor der Gründung der KG 1950 Männer gegeben, die zur Karnevalszeit ihr Unwesen getrieben haben sollen. Ein Ochse, der beim ersten Umzug 1950 vorweg ging, findet sich heute im Wappen der Schlemmännchere.

Stopp dä Mutz Broich: Was haben Männer gemacht, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts zusammengesessen und sinniert haben? Viele haben sich eine Pfeife gestopft und geschmaucht. So auch in Broich um das Jahr 1903, als Männer sich trafen, um über eine Karnevalsgesellschaft nachzudenken. Beim Punkt Namensfindung schlug ein Mann vor, „iersch ens enne Mutz zu stoppe und dann zu üvverläje“ also: Zuerst eine Pfeife zu stopfen und dann zu überlegen. Das war die zündende Idee: Stopp dä Mutz, auf Hochdeutsch: Stopf die Pfeife.

Schleer Kloes Schleiden: Gar nicht an weltliche Gelüste angelehnt ist der Name der Schleidener Schleer Kloes. Mit viel gutem Willen und fundierter Kenntnis der Jülich-rheinischen Dialektik kann man erkennen, was die Gründer im Jahr 1935 geleitet hat. Schleer heißt Schleidener und bei Kloes hat sich der Einfluss des damaligen Schleidener Pastors Verfürth gezeigt. Kloes ist um Umgangssprachlich für Nikolaus, dem Patron der Schleidener Pfarrkirche.

Schnapskännchen Güsten: Zurück zu weltlichen Gelüsten, sehr hochprozentigen und verbotenen obendrein: In den 30er Jahren war Güsten eine Hochburg der Schwarzbrennerei. Produziert wurden Mengen über den Durst der Güstener hinaus, dafür war der Ort bekannt. Bei der Namensgebung der Gesellschaft 1936 nahmen sich die Gründer mit den Namen „Schnapskännchen“ selbst auf die Schippe – und das, obwohl die private Branntweinproduktion unter Strafe stand.

Lukkebömmelte Lü Lucherberg: Der Zungenbrecher unter den KG-Namen sind die Lukkebömmelte Lü Lucherberg. Die Erklärung dahinter ist einfach. Lucherberg heißt auf Platt „Lukkebömmelte“ und Leute heißen „Lü“. Raum für Spekulation bietet die Abkürzung LCC für Lucherberger Carnevals Club. Warum die Gründer Karneval 1980 mit C schrieben, ist nicht überliefert. Vielleicht, weil das besser klingt, vielleicht auch, weil am Gründungsabend ein paar Bier zu viel geflossen sind.

Maiblömche Lich-Steinstraß: Der Name Maiblömche Lich-Steinstraß verweist auf den reichen Bestand an Maiglöckchen („Maiblömche“) im damaligen an Alt-Lich-Steinstraß grenzenden und mittlerweile dem Tagebau zum Opfer gefallenen Bürgewald. Die Lich-Steinstraßer sammelten als Nebenverdienst die Maiglöckchen entweder zum Straßenverkauf oder für ein Kölner Pharmaunternehmen, das die Blätter für Arzneimittel verwendete. Deswegen die Namensgebung 1935.

Schanzeremmele Stetternich: Gesammelt wurde auch in Stetternich, und zwar Reisigholz. Schanzeremmele sind Holzarbeiter, die sich mit Schanzenanfertigung befassen. Heute noch nennt man die Einwohner von Stetternich „Schanzeremmele“, weil sie vor dem ersten Weltkrieg und vermutlich noch viel früher allwöchentlich mit Fuhren Reisigholz zum Feuermachen in die Stadt kamen. Im Wappen der 1948 gegründeten KG wird ein Waldarbeiter dargestellt, der einen Stock (Remmel) schultert, an dem Reisig hängt.

Kutt-erop Niedermerz: Zwölf jecke Niedermerzer Männer trugen sich 1927 mit dem Gedanken, eine Karnevalsgesellschaft zu gründen. Im Ohr hatten sie dabei offenbar den Willi Ostermann-Hit „Kutt-erop, Kutt-erop bei Palms do es die Pief verstop“. So trug es sich zu, dass ein Ohrwurm bis in die Gedanken der Niedermerzer Jecken gelangte. Damit begann die Geschichte eines noch jungen Traditionsvereins, der aber schon im besten Alter ist, um jeck zu feiern.

Bretzelbäckere Mersch-Pattern: Pattern war eine Brezelbäcker-Hochburg. Für das Jahr 1800 ist überliefert, dass von 376 Einwohnern 16 Brezelbäcker waren. Die Brezeln wurden auf vielen Jahrmärkten rund um Jülich, Düren, Heinsberg und Bergheim verkauft. Die Bäcker prägten das Bild und den Ruf der Ortschaft auch anderswo, weil sie mit einem Rückenkorb, der randvoll war mit Brezeln, über Land zu den Volksfesten in der Region unterwegs waren.

Stammelte Böömche Huchem-Stammeln: Das „Stammelte Böömche“, also das Bäumchen – ein Linde –, das die Gründer der KG in Huchem-Stammeln 1948 pflanzten, ist mittlerweile „ne decke Boom“ geworden. Der „Stammbaum“ ist immer noch das Sinnbild der KG. Aber warum? „Das weiß heute keiner mehr“, sagt Dieter Pelzer, der Vorsitzende der KG. Vermutlich hat den Jecken das Symbol gefallen – und die „Ehrensenatoren“ heißen bei den „Böömche“ logischerweise „Ehrengärtner“.

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