Sporter des Jahres Freisteller Sportlerwahl Sportlergala Freisteller
Deiters

Jan I. wird zum echten Eisprinz

Von: Hanna Sturm (Verzäll) und Michael Jaspers (Bonkte Beldchere)
Letzte Aktualisierung:
kizugbild
Für echte Jecke gibt´s kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung: Dieser Nachwuchsnarr macht vor, wie man sich bei frostigen Temperaturen und nicht enden wollendem Schneefall passend wandet. Ach ja: Nuckeln am Schnuller soll ja auch warmhalten...

Aachen. Neä, Keänger, wann hat man sowas schon gesehen? Im Himmel hat man wohl vergessen, wie man die Schneemaschine ausschaltet. Es rieselte und rieselte und rieselte. Und das an einem Sonntag, an dem Zigtausende Öcher Jecke mit dem Kinderprinzen fiere wolle.

Klar, dass sich da morgens mancher zuerst die Frage stellte: „Geht der Zug überhaupt?” Antwort: Aber natürlich - trotz weißer Pracht, verschneiten Straßen und eisigen Temperaturen. Das alles ließ diesen Kinderzug 2010 zwar ganz buchstäblich zu einer Zitterpartie werden. Doch Zugleiter Frank Pömpeler konnte Entwarnung geben: „Einige Teilnehmer hatten zwar erst Probleme mit den Traktoren, aber wir haben keine wetterbedingten Absagen bekommen.” Nur die Stadtreiter hatten zum Wohl der Tiere auf ihre Vierbeiner verzichtet und waren lieber zu Fuß gegangen.

Dick eingemummelt hatten sich Tausende Jecke am Wegesrand versammelt. Das diesjährige Motto „Kenger - höppe - danze - sprenge, wenn vür oser Ledche senge” wurde so umgehend zum „Überlebenskonzept”: herzhaftes Schunkeln, Singen und „Alaaf”-Rufen gegen eingefrorene Finger und Zehen. Auf der Straße zeigten derweil die Rhönradturner vom Allgemeinen Aachener Turnverein und dem Hochschulsport der RWTH, dass mit der richtigen Artistik ein Rad auch bergauf rollen kann. Sarah Linde war eine der Turnerinnen, die im Rhönrad immer wieder über Kopf drehend die Strecke zwischen Oppenhoffallee und Jakobstraße bewältigten.

Kondition gefragt

„Für die ganze Strecke braucht man schon Kondition, aber wir wechseln uns ab und rollen uns auch gegenseitig”, so die Turnerin. Unebener Boden, Straßengefälle und Schnee machen die Angelegenheit nicht einfacher, aber Spaß hatte die einzige Rhönradgruppe im Karnevalszug trotzdem. „Das tolle am Rhönradturnen ist, dass es viele verschiedene Bereiche des Turnens verbindet und ein Sport für Kinder und Erwachsene ist”, schwärmte Sarah Linden, dann rollte die Gruppe kopfüber die Theaterstraße hinunter.

Unter den über 100 fantasievoll kostümierten Fußgruppen und aufwändig gestalteten Festwagen waren auch wieder viele Schulen aus Aachen und der Städteregion. Begeisterung und viel Applaus erntete etwa der originelle Auftritt des Heilig-Geist-Gymnasiums aus Würselen. Ein kurzer lateinischer Befehl vom Lehrer - und schon rückten die in ordentlichen Reihen marschierenden römischen Legionäre näher zusammen, duckten sich hinter ihre großen Schilde und bildeten so die „Schildkröte” - eine römische Formation, bekannt aus diversen Asterix-Comics.

Andere Schulen nutzten den Karnevalszug für humorvollen Protest gegen die Bildungspolitik. So forderten die Schüler des Rhein-Maas-Gymnasiums, verkleidet als die Western-Schurken „Die Daltons”, eine Befreiung von den symbolischen Fußfesseln G8 und Zentralabitur. Die Jungen und Mädchen der Viktoriaschule verkündeten dagegen: „Wir wollen den Frühling, nicht den/die Sommer.”

Eine andere Botschaft war der Grundschule Am Höfling wichtig: „Höflingkinder handeln fair” lautete das Motto der fast 150-köpfigen Fußgruppe, die ausschließlich fair gehandelte Süßigkeiten unter das närrische Volk brachte. Apropos: Diesmal gab es beim Aufsammeln auch manch skurrile Szene. Klümpchen mussten bisweilen nämlich aus tiefen Schneemassen ausgebuddelt werden - Goldgräberstimmung am Zugweg, sozusagen. Zu wie auch immer gearteten „Handgreiflichkeiten” kam es dabei freilich nicht. Und auch die Polizei musste natürlich nicht einschreiten. Wie die Beamten laut Leitstellenchef Adolf Freh überhaupt bislang ein sehr ruhiges Karnevalswochenende erleben. Was sie wohl feststellten: Am Zugweg standen diesmal deutlich weniger Jecke als sonst.

Jeckes Jubiläum

Die, die gekommen waren, erlebten neben den fantasievollen Fußgruppen natürlich wieder die eindrucksvollen Festwagen als besonderes Erlebnis am Rand des Zugs. Mit gleich drei Wagen feierte die Karnevalsgesellschaft Eulenspiegel das närrische Jubiläum - zwei Mal elf Jahre - ihrer Jugendgruppe. Und als krönender Abschluss grüßte Märchenprinz Jan I. vom Turm seine närrischen Untertanen und trotzte dabei ganz majestätisch wem? Na klar, dem Wetter.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert