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In Setterich kütt d´r Zoch nicht mehr

Von: cs/irmi/cl
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Narren mit direkter Lage an der närrischen Achse Aachen-Köln, wie in Eschweiler-Lohn, beobachten keine Veränderungen beim Straßenkarneval. Foto: Irmi Röhseler

Aachen. Das zunehmende Desinteresse am offiziellen Karneval und seinen Vereinen trifft den Straßenkarneval. Im Baesweiler Ortsteil Setterich wird es dieses Jahr erstmals keinen Tulpensonntagszug mehr geben.

In Jülich-Kirchberg versuchen jecke Bürger mit einer „Interessengemeinschaft Karnevalszumzug” genau das mit aller Kraft noch zu verhindern. Ganz so weit ist es andernorts in der Region noch nicht. Doch abseits der großen Züge und der Karnevalshochburgen fällt auf, dass die Züge sich verändern.

Jülich-Kirchberg wurde vorige Woche von einem Flugblatt erschüttert. Darin teilte die KG Blau-Weiß allen 1711 Bewohnern des Ortes mit: „2010 fällt der Karnevalsumzug aus.” Die Veranstaltungen der Karnevalsgesellschaft - Sitzungen, Weiberfastnacht - litten seit Jahren unter extremem Besucherschwund. Dadurch fehlten Einnahmen, was auch die Finanzierung des Fastelovvendsumzugs schwierig mache. Konsequenz: Kein Veilchendienstagszug. Die Menschen im Ort nahmen daraufhin sofort das närrische Zepter in die Hand. Aber auch ihnen fehlt das Geld. Eine Haussammlung soll jetzt helfen.

Der Karnevalsausschuss Setterich (KAS) betont, dass die Absage des Zuges in ihrem Ort nicht am fehlenden Geld liege. Sie quittieren damit die mangelnde Unterstützung durch die Menschen. „Die meisten Punkte, an denen wir vorbeigezogen sind, sind in der letzten Session so gut wie tot gewesen”, sagt KAS-Präsident Peter Jansen. Dazu kommen die widrigen Umstände im Ort: Das Vereinslokal musste nach einem langsamen Niedergang im vorigen Jahr schließen. Die Settericher Jecken suchen ihr Heil nun in Baesweiler - dem Ort, von dem sie sich sonst gerne so explizit absetzen. Dort reiht sich Marktprinzessin Esma mit Gefolge am Tulpensonntag ein.

Stadtteile, die direkt an der närrischen Achse von Aachen nach Köln liegen, kennen diese Probleme mit dem Straßenkarneval offenbar nicht. „Richterich ist ein Dorf. Da gehört der Zug dazu. Da ist man dabei. Da geht man hin”, sagt Georg Haberland, Geschäftsführer der 1. KG Koe Jonge Richterich. Im kleinsten Eschweiler Stadtteil St. Jöris müssen die Zugveranstalter interessierte Gruppen sogar abweisen. Der Zug würde sich bei mehr als 20 Teilnehmern angesichts der beschränkten Straßenzahl im Ort in den Schwanz beißen.

Auch im Umkreis von Düren sind die Karnevalszüge nicht in Gefahr. Über 60 wird es in diesem Jahr erneut geben. Rolf-Peter Hohn, Präsident des Regionalverbandes Düren, ist sicher: „Daran wird sich auch so schnell nichts ändern.” Stellvertretend berichtet der Präsident der „Lengeschdörpe Klompe”, Norbert Weber: „Bei uns sind der Zulauf und das Interesse eher noch größer geworden.” Und das werde vorerst so bleiben, denn „unsere Jugend lässt sich wieder für den Karneval begeistern”. Dass auch die Resonanz stimmt - Weber schätzt, dass über 3000 Besucher den närrischen Lindwurm durch den 3600-Einwohner-Ort Lendersdorf verfolgen -, trägt natürlich zur Motivation der Zugteilnehmer bei.

Vor zehn Jahren unvorstellbar

Aber je weiter man sich von der närrischen Achse an der A4 entfernt, umso größer werden offenbar die Probleme - oder zumindest die beobachteten Veränderungen. In Siersdorf etwa war „immer schon der größte Zug in Aldenhoven”, sagt Hannes Vonderhagen von der Interessengemeinschaft Rosenmontagszug. Aber jetzt rücke die Jugend nicht mehr nach. „Es sind meist ältere Karnevalisten, die sich im Zug tummeln.” Und der Zug ist kleiner geworden. 34 Gruppen seien für dieses Jahr angemeldet, davon acht Wagen. Vor zehn Jahren seien es noch 15 Wagen gewesen.

„Wir haben doch nur noch drei Bauern im Ort”, sagt Vonderhagen. Ohne Bauern keine Zugwagen. Dazu noch die neuen TÜV-Bestimmungen „seit zwei, drei Jahren”. Jeder Hänger müsse abgenommen werden. „Das kostet doch auch Geld”, sagt Vonderhagen. Vor zehn Jahren seien noch über 1000 Zugteilnehmer in Siersdorf bejubelt worden. Heute gehen noch 600 bis 700 mit. Immer noch beachtlich. Aber auch eine Entwicklung.

In Monschau-Höfen haben sich früher ganze Straßenzüge zu Karnevalsgruppen zusammengetan. Heute beobachten die Verantwortlichen der KG Biebesse in ihrem Dorf etwas, das sich noch vor zehn Jahren niemand im Ort vorstellen konnte: Zugteilnehmer aus Nachbarorten. „Es gibt inzwischen mehrere Vereine im Ort, die gehen nicht mehr jedes Jahr mit, sondern nur noch jedes zweite”, sagt Helmut Podzun von der KG Biebesse. Auch der Kindergarten habe in diesem Jahr abgesagt. Das Interesse der Eltern sei einfach nicht mehr so da. Er sagt das ohne Groll. Und er freut sich, wenn Prinz oder Dreigestirn als Ersatz Gruppen aus Nachbarorten mitbringen, weil sie dort in Vereinen aktiv sind. Er selbst hat als Organisator des Rosenmontagszugs seine eigenen Erfahrungen gemacht, wie man die Menschen zu Jecken macht: „Man muss die Leute im Laufe des Jahres schon ansprechen. Wir sehen uns schließlich. Von nix kommt nix.”
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