Sporter des Jahres Freisteller Sportlerwahl Sportlergala Freisteller
Deiters

Im vollen Ornat den Saal besetzt

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:
k-hück-bu1
Inmitten der geballten Narrenschar aus der Stadt Hückelhoven fühlte sich Bürgermeister Bernd Jansen gestern Morgen pudelwohl. Von vielen hatte er sich erst wenige Stunden zuvor verabschiedet- Foto: Koenigs

Hückelhoven. Der Mensch, man weiß das schon ewig lange, braucht immer wiederkehrende Rituale, sonst kommt er fast unweigerlich in die Krise. Da die Hückelhovener bekanntermaßen eine sehr fürsorgliche Gemeinschaft bilden, haben die für die Stadt Verantwortlichen vor Urzeiten beschlossen, am Tag nach Altweiber den Narren das Rathaus zur freien Verfügung zu überlassen.

Damit die sich an dem Ort, an dem sonst nur über, ganz selten mit ihnen, bestimmt wird, was in der Stadt Sache ist, wenigstens einmal im Jahr so richtig austoben können.

Am Freitag also war der geschwungene Treppenaufgang wieder mit vielfarbigen Luftschlangen und bunten Luftballons behangen, in den Zimmern, in denen sich an „normalen” Tagen die Freizeitpolitprofis von rot über schwarz bis hin zu grün die Köpfe über Nettoneuverschuldung, Wachstumsförderungsgesetz oder sonstige Ungetümer die Köpfe heiß reden, schlüpfen die Damen und Herren Narren sowie deren Nachwuchs von den Tippern in die rot-weißen, die HKG´ler in ihre gelb-schwarzen, die Eierköpp in die blau-weißen, die der Wenk in rot-weiße, die Trötemänn in die blau-weißen, die von All onger eene Hoot in grün und weiße, die Frohsinner in die blau-weißen, die Kappehäuer in die rot-weißen und die Rurblümchen in ihre roten und schwarzen Kostüme, Röckchen, Uniformjacken, Reit-, Strumpfhosen und andere närrische Kleidungsuntensilien. Und dann sammelt sich die geballte Hückelhovener Narrenschar im bunten Ornat im leergeräumten großen Sitzungssaal.

Dort harrt bereits Bernd Jansen der Dinge, die da auf ihn einstürzen würden. An gewöhnlichen Tagen bekleidet er das Amt des Ersten Bürgers der Stadt; an diesem Tag ist er sichtlich bemüht, sich dem Narrenvolk auch etikettenmäßig anzupassen: Das schwarze Jackett, offensichtlich aus Jungesellentagen rübergerettet, ist übersät mit buntgelackten, meist metallisch-glänzenden Ansteckern.

Am markantestem lacht den, der ihm die Hand schütteln will (und das ist die Mehrzahl der gefühlten 200 Narren und Närrinnen), der leuchtend-gelbe Smiley entgegen. Die Zivilisationsfessel, die er um den Hals gebunden hat, spiegelt trefflich seine konservativ-progressive Grundhaltung wider: Sie springt in schrillen Schockfarben gestreift schnurstracks ins Auge. Herr Jansen fühlt sich wohl in seiner Haut: „Ich fühle mich hier wie Zuhause: Einigen von euch habe ich erst vor ein paar Stunden Tschüss gesagt.”

Man darf gespannt sein, ob er als Bürgermeister dies neue Wohlfühlerlebnis in die nachtollen Tage rüberbringt. Eigentlich fühlen sich alle wohl an diesem zwar kalten, aber überhaupt nicht fiesen Karnevalsfreitag im Hückelhovener „Parlamentssaal”: Die Tanzmariechen tanzen, der Büttenredner redet pointiert, die schottischen Tipp-Gäste dudeln schöne Weisen aus ihrem Hochland, die Handvoll Politiker im Saal fallen nicht sonderlich auf, sie wirken nur ein wenig verloren unter all den gut gelaunten, nicht selten locker ein Glas Gerstensaft in der einen, ein Zigarettchen in der anderen Hand haltenden und nett kostümierten närrischen Männern und Frauen. Bei so viel Frohsinn drängt sich unwillkürlich bohrend die Frage auf: Warum nicht immer so?
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert