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Im rasenden Galopp von Sitzung zu Sitzung

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
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Lockere Stimmung im „Knipp”: Prinz Dirk IV. sang beim Kneipenkarneval Nummer 2 seinen Hit „Jetz es d´r Prenz in d´r Saal”. Ex-Prinz Franz-Dieter Ramrath und Knipp-Wirt sang unbekümmert mit. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ein Wunder, wie der Mann das aushält. Er und seine Gefolgschaft brauchen jede Menge Kondition, um Aschermittwoch nicht in den Seilen zu hängen. Denn als Aachener Prinz Karneval und auch als Hofstaatsmitglied kommt die närrische Truppe auf mehr als 350 Auftritte seit der Proklamation, davor werden es etwa 100 gewesen sein, bei denen der Narrenherrscher und sein Gefolge die Strahlemänner der Stadt mimen müssen.

Da ist es bestimmt nicht von Nachteil, dass Dirk Trampen, der Anfang Januar während eines famosen Prinzenspiels zur Öcher Tollität proklamiert wurde, als junger Mann Höchstleistungssport getrieben hat. Als Tennisspieler hat er sich sogar getraut, gegen Michael Stich anzutreten. Und das ist doch auch schon was.

Wenn man Prinz Dirk IV. auf einer Abend- und Nachttour begleitet, kommt man fast außer Atem. Wie am vergangenen Freitag. Das war ein harter Tag für den Narrenherrscher und sein Gefolge. „Das Anstrengendste war die Warterei bei der Generalprobe zur AKV-Sitzung”, befindet Georg Flücken, der Noppeney der närrischen Truppe. Ruhig zu sitzen und dabei noch einen Haufen Bühnenauftritte vor sich zu haben, das ist nicht das Tollste.

Aber in den Säle zu erscheinen und die Normal-Pappnasen zu beglücken, das ist das Wahre im Fastelovvend. Da kommt Stimmung auf. Stolz sind die Jecken, dass die Tollität sie beehrt, das Herz geht auf, wenn das „Hurratschingbumm” der Prinzengarde erschallt und d´r Öcher Prinz dann endlich da ist.

Zuerst in den Ellerhof

Die erste Station des Abends ist der Ellerhof in Brand. Dort tagt die KG Rübezahl Silesia. Eine glückliche Präsidentin Edith Kravec meldet der Tollität ein ausverkauftes Haus. Was schon längst keine Selbstverständlichkeit in diesen harten Zeiten ist. Es ist zwar noch früh am Abend, so gegen 20 Uhr, aber die Stimmung der Narren ist schon sehr ausgelassen. Auch deshalb hat Dirk IV. leichtes Spiel. Aber bevor er mit seiner Show loslegt, präsentiert erst mal die Prinzengarde und lässt Tanzmarie Jennifer Deerberg und ihren Tanzoffizier Elmar Bosold ihre Künste vorführen. Stolz schaut der Narrenherrscher zu. Denn die Gardisten, die ihn begleiten, dass sind seine Gardisten. Der 49-Jährige ist nämlich im „privaten jecken Leben” Vizekommandant der Prinzengarde, die in dieser Session hundert Jahre alt wird.

Mit der Limousine in die Stadt

Nach dem Besuch in Brand geht es flott in die Stadt. Dirk IV. und sein Adjutant Josef Esser werden in einer von einem Autohaus gesponserten Limousine transportiert, seinem Hofmarschall Gustl Brammertz steht ebenfalls ein Auto nebst Chauffeur zur Verfügung. Denn er muss als erster vor Ort sein.

Um dort alles klar zu machen für die Auftritte des Prinzen. Ins Haus der Kreishandwerkerschaft an der Heinrichsallee hat Kreishandwerksmeister Hans Winnen die Narrenherrscher der Städteregion gebeten.

Da ist Prinz Dirk IV. einer von vielen. Aber es ist für ihn Ehrensache, seine Lieder zu bringen. Im Konferenzsaal, im unteren Geschoss, feiern Handwerker und Karnevalisten zusammen, in den anderen Räumen können sich die Narrenprofis mit Bier, belegten Brötchen, Puffele und Stricke stärken und sich gegenseitig kurz kennenlernen. Ein Elferrat aus einem Eifeldorf bemerkt im Gespräch mit einem Öcher Prinzengardisten selbstironisch: „Also irgendwie müssen wir doch einen an der Waffel haben.” Er meint damit den fröhlich-jecken Einsatz der Pappnasen in Uniform.

Es wird Zeit, der Prinz hat noch vieles vor. Die nächste Station ist am Löhergraben, dort fiert dat Schängche Fastelovvend. Nix wie rein in den völlig überfüllten kleinen Theatersaal mit den pratschjecken Zuschauern. Das ist Karneval vom Feinsten, das freut auch die Tollität und seine Männer. Ab nach Burtscheid, die Pfarre St. Michael feiert an der Zeise. Pfarrkarneval ist erdverbunden, hier wird Dirk IV. (Trampen) mit Sympathie empfangen. Viel Zeit bleibt nicht, denn in Verlautenheide wird der Prinz im Festzelt am Sportplatz erwartet. Es schneit und regnet, was Verzögerungen mit sich bringt. Im Festzelt ist Remmidemmi, der Laden brummt. „Jetz es d´r Prenz in d´r Saal”: Die Leute aus Verlautenheide verstehen es zu feiern und singen laut die Lieder der Tollität mit.

Reichlich Champagner

Aber es muss weitergehen. Prinz, Hofstaat und Gardisten sind spät dran. Im Quellenhof ist Ritternacht. Der AKV hat Promis zum Stelldichein gebeten, Champagner gibt´s reichlich, nach einem Pils muss man fragen. Der Prinz verteilt seinen Sessionsorden an Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, dessen Ehefrau Angelika, an Mario Adorf und andere illustre Gäste und präsentiert gut gelaunt sein Programm.

Auf der kleinen Bühne zeigen auch Tanzmarie Jennifer Deerberg und Tanzoffizier Elmar Bosold, was sie drauf haben. „Wir müssen noch zum Pfarrkarneval von St. Andreas in die Soers”, fordert Hofmarschall Brammertz seine Leute zum Abmarsch auf. In guter Stimmung verteilen sich die Hofstaatsmitglieder in zwei Transportbusse. In den Bussen haben sie selbstverständlich Vorräte, keiner soll auf der Tour verhungern oder verdursten.

Nach der Stippvisite in der Soers geht´s zur Gaststätte „Am Knipp”. In der ältesten Wirtschaft Aachens wird der Kneipenkarneval fortgesetzt, den Prinz Dirk IV. in der vorvergangenen Woche begonnen hat.

Es ist schon weit nach Mitternacht, da kann er sich in der Elephant Bar des Quellenhofs, seiner Hofburg, entspannt zurücklehnen und ein Bierchen genießen. Geschafft. Die Tollität wirkt zufrieden.
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