Eschweiler - Für jeden Narr ist dieser Wagen wunderbar

Für jeden Narr ist dieser Wagen wunderbar

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Der Wagenbaumeister sorgt für den Feinschliff: Richard Pampel staubsaugt die letzten Flusen aus dem Grasteppich. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Nicht eine Kamelle würde mehr zwischen Wagendach und Tor passen. Auf den Zentimeter genau rollt der neue Stolz der KG Narrenzunft Pumpe-Stich in die Halle und wartet auf seine Premierenfahrt am Rosenmontag. Nach fast zwei Jahren Bauzeit ist er endlich fertig, der Ideenwagen der Karnevalsgesellschaft.

„Einfach wunderschön”, findet ihn Narrenzunft-Präsident René Wiese bei der offiziellen Übergabe. Alle Anwesenden an diesem Morgen nicken zustimmend, schließlich wissen sie, wie viel Arbeit und Herzblut in dem grün-roten Gefährt stecken.

Der „Eulen-Wagen” wäre wohl nie ohne Richard Pampel entstanden. Er, den seine jecken Freunde kurzum „Wagenbau-Richie” rufen, ist der Vater des Mottowagens, der die Narrenzunft-Gesellschaft in all ihren Farben, Kostümen und Gruppen vorstellt.

Motto-, oder wie in diesem Falle, Ideenwagen sind so etwas wie die Königsdisziplin der karnevalistischen Umzüge. Sie erfordern handwerkliches Geschick, Kreativität und natürlich ein engagiertes Team, das anzupacken weiß. „Und das hatte ich”, sagt Wagenbaumeister Pampel stolz. Der alte Bauwagen fristete schon lange Zeit ein trostloses Dasein neben der Narrenzunft-Halle in Pumpe. Bei einem Wintersturm 2008 riss das marode schließlich Dach ein.

Für Richard Pampel und seine Mistreiter endgültig die Gelegenheit, das Projekt „Hausgemachter Ideen-Wagen” zu verwirklichen. Bis in den Sommer hinein wurden die „Altlasten” Stück für Stück abmontiert, bis nur noch das Gerippe des Hängers vor den Hobby-Handwerkern stand.

Auf der Fachmesse „Inter Karneval” in der anderen rheinischen Fastelovendshochburg Köln holten sich die Indestädter in Workshops das nötige Know-how der Wagenbau-Profis. Im Sommer 2008 fingen dann die richtigen Arbeiten an. „Wir trafen uns zweimal die Woche mit durchschnittlich fünf Mann”, blickt Richard Pampel auf die letzten gut eineinhalb Jahre zurück.

Hinzu kamen einige lange Samstage. Insgesamt drei Frauen, acht Männer und einige zusätzliche narrenzunft-externe Helfer packten mit an. „Circa 300 Stunden Arbeitszeit pro Person sind so zusammengekommen”, rechnet der Wagenbaumeister vor. „Jetzt sind wir einfach stolz, mit unserem neuen Wagen die Narrenzunftfamilie vorstellen zu können.”

Acht handgemachte Puppen in Originalgröße von den kleinen Kinder-Tanzmariechen sowie den Eulen- und Hofnarren-Kindern warten auf die Rosenmontagszugbesucher. Hinter der Kindergruppe sitzt eine aus Draht, Holz und Pappmachee gebaute feine Kostümfrau, gefolgt von einer so genannten Rotjacke - den „uniformierten” Narrenzünftlern im roten Jackett - und einer Puppe im Hofnarrenkostüm.

Abgerundet wird der mit viel Liebe zum Detail gestaltete Wagen durch den Bagage-Aufbau. Hier verstauen die Karnevalisten hinter einer realitätsgetreu gepinselten Mauerfassade während des Rosenmontagszugs ihr Wurfmaterial. Mit einer innovativen Ausgabeluke haben die Planer sogar an die kleineren Narrenzunft-Mitglieder gedacht, die nun nicht mehr während der Fahrt auf den Kamelle-Wagen aufspringen müssen.

Und noch etwas darf nicht fehlen: 22 Flaschenhalter an der Rückseite des Wagens wurden vom Vorgängermodell übernommen. „Da können wir während des Zuges dann schon mal unsere Getränke abstellen. Stundenlang eine Flasche zu halten im Februar - da bekommt man sonst ganz schön kalte Finger”, sagt Richard Pampel schmunzelnd, der selbst als Hofnarr direkt hinter dem neuen Ideen-Wagen mitmarschiert.

Bevor der Wagenbaumeister seinem Präsidenten René Wiese den Eulen-Wagen endgültig offiziell übergab, konnte er es nicht lassen, ein letztes Mal mit dem Staubsauger über den Grasteppich zu fahren. Es soll alles picobello sein.

Am Dienstag kommt nun noch der TÜV. Reine Formsache, denn auf alle Vorschriften und Sicherheitsaspekte haben die Wagenbauer in all den Monaten selbstverständlich geachtet. Jetzt steht der neue Stolz der Narrenzunft wind- und wettergeschützt neben den beiden anderen Wagen der Gesellschaft und wartet auf einen (hoffentlich) sonnigen Rosenmontag und auf tausende Alaaf rufende Jecke am Straßenrand. Kurzum: auf eine Fastelovends-Premierenfahrt der Extraklasse.
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