Ein Mann der ersten Stunde

Von: Heike Eisenmenger
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Büzzchen für den Mann der ersten Stunde: Fritz Quast, hier mit Ehefrau Mary (rechts) und Vereinskameradin Erika Meyer (links), ist Gründungsmitglied der „Jüzzenije Plüme”, die am Samstag ihr 5x11-jähriges Jubiläum feierten. Foto: Heike Eisenmenger

Düren. Dieser Abend gehört Fritz Quast: Tosender Beifall erschallt, als der 74-Jährige in der Manier eines jungen Mannes auf die Bühne im „Haus der Stadt” hüpft, um den „BDK-Orden in Gold mit Brillanten” zu empfangen. Das ist die höchste Auszeichnung, die der Bund Deutscher Karneval zu vergeben hat.

Quast erhält diese hohe Auszeichung, weil er ein Mann der ersten Stunde bei den „Jüzzenije Plüme” ist. Der Gürzenicher ist der Einzige aus der Runde der Gründungsväter, der noch dem Verein angehört. 5x11 Jahre sind der Gründung ins Land gegangen.

Insbesondere die Anfangsjahre sind ihm unvergesslich. „Damals gab noch keine Kölner Kräfte auf der Bühne; wir haben das Programm komplett mit unseren eigenen Leuten bestritten”, erzählt Quast. „Wir hatten unglaublich viel Material für unsere Sketche: Nach dem Krieg lag ja alles am Boden, man konnte richtig aus dem Vollen schöpfen.”

Wie kam eigentlich der Vereinsname Jüzzenije Plüme” zustande? „Durch Wienand Siepen, dessen Spitzname âPlümeÔ war. Er hatte alle Vereine im Ort zusammengetrommelt, um einen Karnevalsverein ins Leben zu rufen.” Wobei an dieser Stelle angemerkt sei, dass „Plüme” in Mundart die Umschreibung für die Quaste am Karnevalshütchen ist. Siepen war ein Mann mit Ausstrahlung, „der konnte Menschen begeistern. Das bodenständige Feiern in der (Dorf)-Gemeinschaft, darin liegt für Quast die Faszination im Straßenkarneval. „Man war mit der ganzen Familie unterwegs. Der Karneval heute ist auch schön, aber er ist anders als früher. Es spielt auch sicherlich eine Rolle, dass man in den Anfängen selber jung war.”

Quast war Mitglied der legendären VKW-Kapelle. VKW ist die Abkürzung für „Vereinigte Kesselwerke”. „Wir spielten auf Blechinstrumente, die an große Kessel erinnerten, daher die Anlehnung einen Hersteller für Kessel.” Der Umstand, dass nur wenige der im Schnitt 35 Mann starken Truppe tatsächlich nach Noten spielen konnte, tat dem Spaß und der Beliebtheit der Gruppe in der Bevölkerung keinerlei Abbruch. Den Charme, den die VKW-Kapelle ausstrahlte, basierte ja darauf, fröhlich-lärmend über die Dörfer zu ziehen und über sich selbst lachen zu können.

Anfang der 90er Jahre wäre Quast fast Karnevalsprinz geworden. Aber eben nur fast. „Ich habe mit dem Gedanken geliebäugelt, aber als ich erfuhr, was das kostet, habe ich davon Abstand genommen.” Traurig ist der 74-Jährige deswegen aber nicht, denn auch ohne Prinzenfeder hatte er ganz viel Spaß im Karneval.

Heutzutage lässt er es etwas ruhiger angehen. Nur mit der Musik von heute kann er sich nicht so recht anfreunden. „Man versteht sein eigenes Wort nicht. Aber die Zeiten ändern sich eben - und das ist auch gut so”, sagt Quast, der als Mann der ersten Stunde Vereinsgeschichte geschrieben hat.
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