Aachen - Karlspreis für Trichet: Hüter des stabilen Euro

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Karlspreis für Trichet: Hüter des stabilen Euro

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Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, erhält den Karlspreis als Symbolfigur für die Stabilität des Euro, den Zusammenhalt der Währungsunion und den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Foto: dpa

Aachen. Rettet den Euro! Die Botschaft der Karlspreisverleihung (2. Juni) an den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, ist unmissverständlich. Die Währungsunion und der stabile Euro müssen gesichert werden.

Trichet hat den Euro geschützt - in der Finanzkrise und in der Schuldenkrise, zumindest bis jetzt. Der Franzose erhält den Karlspreis als Symbolfigur für die Stabilität des Euro, den Zusammenhalt der Währungsunion und den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit.

Trichet nimmt Medaille und Urkunde am 2. Juni beim Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses entgegen. Die Laudatio hält der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso.

Der parteilose EZB-Chef gilt als unbeugsam, als einer, der in Krisenzeiten Rückgrat beweist. In der Begründung zur Verleihung heißt es: Vor allem Trichet habe den Bürgern Vertrauen in den Euro gegeben. Sicher ist das auch als Aufgabe an den Neuen zu verstehen. Der Italiener Mario Draghi wird im Herbst Trichets Nachfolger.

Zum zweiten Mal steht der Euro beim Karlspreis im Mittelpunkt. 2002, als er sich in den Geldbörsen noch fremd anfühlte, erhielt die Währung selbst den Karlspreis. Das war ein Lob für die Gemeinschaftsleistung der EU. Trichets Vorgänger Wim Duisenberg durfte dafür die Meriten entgegennehmen. Es war eine dieser selten unbeschwerten Karlspreis-Verleihungen ohne Sorgenlast und erhobenen Zeigefinger.

Auch wenn es dem Euro immer noch gut geht, die Währungsunion hat neun Jahre später Kratzer bekommen. Die Gemeinschaft musste den Schuldensündern Irland und Portugal helfen, Griechenland steht finanziell am Abgrund, Europa streitet über Lösungen und Trichet musste sogar Stellung beziehen zu Austritts-Spekulationen schuldengeplagter Länder. „Absurd”, befand er.

Vielen klingt noch die Mahnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der letzten Karlspreis-Verleihung im Ohr. „Scheitert der Euro, scheitert Europa”, hatte sie in ihrer Laudatio für den polnischen Regierungschef Donald Tusk eindringlich gewarnt. Der Karlspreis 2010 hatte eigentlich ganz im Zeichen Osteuropas stehen sollen. Die Schuldenkrise - der neue Dauerbrenner beim Karlspreis wie vorher schon die Verfassungskrise?

Europa braucht die Politische Union, meint das Karlspreis-Direktorium und verbindet - ganz ungewöhnlich - die Preisverleihung an Trichet mit dieser politischen Forderung. Die Politische Union müsse die Wirtschafts-, Finanz- und Haushaltspolitik wirksam koordinieren.

Barroso werde in seiner Laudatio sicher auf diese Forderung reagieren, meint der Sprecher des Karlspreis-Direktoriums Jürgen Linden. Nicht nur die Schuldenkrise verlange diese politische und wirtschaftspolitische Antwort, sondern auch die globale Situation: Haushaltskrise der Amerikaner, afrikanische Rebellion, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Atom-Katastrophe in Japan. Europa müsse darauf mit einer Politischen Union reagieren.
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