Aachen - Karlspreis für Donald Tusk: „Gutes Signal gerade für Europas Jugend”

Karlspreis für Donald Tusk: „Gutes Signal gerade für Europas Jugend”

Von: Matthias Hinrichs und Oliver Schmetz
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Überraschten - und erfreuten - viele Aachener mit ihrer Entscheidung für Polens Premier Donald Tusk: Jürgen Linden und OB Marcel Philipp würdigten den neuen Karlspreisträger bei der Bekanntgabe im Rathaus als wichtigen Brückenbauer zwischen Generationen und Nationen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Sicher hatte Jan Urbanek am Sonntag nach dem Gottesdienst der polnischen Katholischen Mission noch Gelegenheit, mit einigen seiner rund 3000 Gemeindemitglieder schon einmal zu überlegen, wie auch sie ihrem prominenten Landsmann am Himmelfahrtstag einen perfekten Empfang bereiten können.

„Dass Donald Tusk den Karlspreis erhält, ist eine phantastische Überraschung”, sagte der Geistliche der AZ kurz nach der Verkündung des neuen Preisträgers. „Ich glaube, er kann neue Brücken bauen auch zwischen den Aachenern und den Polen.”

Nicht weniger erfreut zeigte sich Urbaneks prominentester „Kollege” im Bistum Aachen. „Das Direktorium hat eine gute Wahl getroffen”, meinte Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff am Sonntag. Anders als sein Amtsvorgänger Kaczynski habe der gelernte Historiker Tusk sich schon in Zeiten der Solidarnosc-Bewegung Anfang der 80-er Jahre für demokratische Strukturen in seiner Heimat eingesetzt. „Seine Partei ist zudem der Europapolitik sehr verbunden”, sagte Mussinghoff. „Interessant ist auch, dass er Kaschube ist und schon von daher Verständnis mitbringt für Minderheiten.”

Als „bekennenden Europäer, der gerade die Jugend anspricht”, charakterisierte Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne) Donald Tusk. „Mit seiner Wahl hat das Karlspreisdirektorium auch dem jüngsten Appell des Bundespräsidenten Rechnung getragen, verstärkt Vertreter jüngerer Generationen zu würdigen.”

Und weil gerade diese in Polen jetzt verstärkt gegen falsche Nationalismen innerhalb der EU eintrete, sei die Ehrung des 52-Jährigen „ein gutes Signal”. Ebenso hatte Jürgen Linden, Alt-OB und neuer Sprecher des Direktoriums, die entscheidenden Motive zur Kür Tusks am Samstag gemeinsam mit OB Marcel Philipp in den Blickpunkt gerückt.

Positiv überrascht zeigte sich auch Harald Baal, CDU-Fraktionschef im Rat. „Als er die politische Verantwortung in seinem Land übernommen hat, waren die Polen im Begriff, der EU den Rücken zu kehren. Donald Tusk hat sie wieder für Europa gewonnen. Er kann dafür sorgen, dass die Verbindung zwischen Deutschland und Polen genauso wichtig wird wie die zwischen Deutschland und Frankreich.”

Womöglich sei die Auszeichnung gar als Anstoß zu verstehen, Tusk bei dessen wohl geplantem Antritt zur Präsidentschaftswahl in Polen zu unterstützen, meinte Andreas Müller, Fraktionsvorsitzender der Linken im Rat. „Das wäre nicht schlecht. Denn es ist klar, dass er für ein weltoffenes Polen eintritt. Ich bin allerdings auch gespannt, was ein Mann wie er zur zunehmenden Militarisierung der EU-Staaten sagt.”

Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck wertete die Entscheidung ebenso „vielleicht auch als ein taktisches Signal”, um die gegenwärtige Auseinandersetzung auf Bundesebene rund um die Besetzung des Stiftungsrates „Flucht, Vertreibung, Versöhnung” zu überwinden. „Tusk steht für eine neue Öffnung seines Land. Er tut Polen gut und Europa”, sagte er.

Auch der Aachener SPD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Karl Schultheis spricht von einer „guten Wahl” und einem „würdigen Karlspreisträger”. Donald Tusk stehe „für einen Politikstil, der Polen zurück in den mitteleuropäischen Raum führt”. Die Entscheidung des Karlspreisdirektoriums sei diesbezüglich ein „deutliches Signal an unserer polnischen Nachbarn”, so Schultheis.

FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg begrüßt derweil auch, dass man sich in Sachen Karlspreis nicht nur nach Westen orientiere. „Es war Zeit, noch einmal in den Osten zu gucken.” Die Entscheidung für Tusk als einen „entschiedenen Verfechter des europäischen Gedankens” sei folgerichtig, meint der Liberale: „Denn er setzt einen starken Gegenpol gegen nationale Egoismen und gegen Europaverdruss und hat nach seinem Wahlsieg 2007 das Ruder in Polen wieder herumgeworfen.”
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