Aachen - Karlspreis: Ein ausgelassenes Volksfest ist schon fest eingeplant

Karlspreis: Ein ausgelassenes Volksfest ist schon fest eingeplant

Von: Gerald Eimer
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Verkündeten den neuen Karlspreisträger Donald Tusk: Direktoriums-Sprecher Jürgen Linden, Oberbürgermeister Marcel Philipp, Stiftungs-Geschäftsführer Bernd Vincken (von rechts). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Unter Besuchermangel wird der Karlspreis 2010 sicher nicht leiden. Kaum hatten Oberbürgermeister Marcel Philipp und Direktoriums-Sprecher Jürgen Linden den neuen Preisträger Donald Tusk aus Polen am Samstag verkündet, durchforstete OB-Mitarbeiter Alexander Lohe bereits die Statistik: 1370 Aachener mit polnischem Pass sind da verzeichnet.

Über Einwohner mit polnischen Wurzeln fand er keine Angaben, die Zahlen dürften aber um ein vielfaches höher liegen. Lohe und auch Bernd Vincken, Geschäftsführer der Karlspreis-Stiftung, haben noch gute Erinnerungen daran, mit welcher Begeisterung gerade diese Landsleute seinerzeit Bronislaw Geremek empfangen hatten.

1998 hat der frühere Außenminister Polens den Karlspreis erhalten und für ausgelassene Stimmung auf Markt und Katschhof gesorgt. So soll es am 13. Mai wieder werden - mit Donald Tusk im Mittelpunkt.

Kommt Angela Merkel?

Und wenn alles klappt wie gewünscht, wird noch ein zweiter großer Name für zusätzlichen Auftrieb sorgen. Noch hüllt sich das Direktorium zwar in Schweigen über den, bzw. die mögliche Laudatorin - formale Anfragen konnten in der Kürze der Zeit schließlich noch nicht gestellt werden -, doch ist es kein Geheimnis, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel, Duz-Freundin von Tusk, ganz oben auf der Wunschliste steht.

Tusk selbst habe sich sehr erfreut über die Auszeichnung geäußert, gab OB Philipp bekannt.

Er konnte den polnischen Ministerpräsidenten zwar noch nicht direkt erreichen, er habe dies aber den Rückmeldungen aus dessen engerem Umfeld entnehmen können. Bereits heute beginnen die Vorbereitungen für die Reise nach Warschau, denn traditionell trägt eine Delegation aus Aachen dem designierten Preisträger die Entscheidung persönlich an.

Erste Reaktionen auf die Entscheidung des 17-köpfigen Karlspreis-Direktoriums, das sich am Wochenende in einer zweitägigen Klausur auf Donald Tusk verständigt hat:

Martin Schulz, SPD-Europaabgeordneter: „Das ist eine gute Wahl. Donald Tusk hat es verdient, weil er sich den ultranationalistischen Kaczynski-Brüdern entgegengestemmt hat. Die Ehrung ist ein Signal für die pro-europäischen Kräfte in Polen. Politisch liegt er zwar nicht auf meiner Linie, aber er ist ein Repräsentant des modernen Polens.”

Harald Baal, CDU-Fraktionschef: „Das ist ein guter Name. Er steht dafür, Polen wieder zurückgebracht zu haben, als es auf dem Weg war, sich von Europa zu verabschieden. Das ist ein sehr gutes Zeichen an unseren östlichen Nachbarn, der für uns genauso wichtig ist wie der westliche für die Deutsch-Französische Freundschaft.”

Claus Haase, SPD-Pressesprecher: „Ich finde die Entscheidung gut und begrüßenswert, weil Tusk in der Tat vermittelt und darstellt, dass Europa offen ist. Er unterscheidet sich doch sehr deutlich von seinem nationalistischen Vorgänger.”

Helmut Ludwig, Sprecher der Grünen: „Ich habe ihn bisher noch nicht so wahrgenommen. Er hat auf jeden Fall eine interessante Biographie als Mitglied von Solidarnosz und als Widerstandskämpfer. Aber er ist erst seit zwei Jahren als Ministerpräsident im Amt und wir müssen noch sehen, wie er weiter Akzente setzen kann. Mich hat die Wahl überrascht.”

Alexander Heyn, FDP-Parteichef: „Das ist eine ausgezeichnete Entscheidung. Es ist vorbildlich, wie er um Ausgleich und Versöhnung bemüht ist. Es ist gar nicht hoch genug zu bewerten, wie er es im Vergleich zu seinem Vorgänger geschafft hat, Polen wieder an die EU heranzuführen. Man muss auch den Mut für sein Engagement in der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc bewundern.”

Andreas Müller, Fraktionssprecher der Linken: „Donald Tusk unterscheidet sich angenehm von seinem Vorgänger, was allerdings nicht allzu schwer ist. Ich denke, der Karlspreis soll ihn auch politisch stärken, denn im Herbst sind in Polen Präsidentschaftswahlen. Ich bin sehr gespannt auf seine Rede und ob er sich als Vertreter der sogenannten weltoffenen Polen auch zu der sehr konservativen Ethik in seinem Land äußert.”

Jürgen Drewes, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen: „Der Preisträger Donald Tusk tritt überzeugend für die europäische Integration seines Landes ein und ist sich der besonderen Rolle Polens insbesondere auch in der Aussöhnung mit Deutschland bewusst. Mit ihm werden zu Recht auch die Leistungen der polnischen Politik und Wirtschaft bei der Öffnung nach Westen gewürdigt.”

Ralf Woelk, DGB-Chef in der Region: „Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist er sicher ein Gewinn für Polen, für die deutsch-polnischen Beziehungen und für Europa. Eigentlich warte ich aber immer noch auf die Auszeichnung für Michail Gorbatschow und dessen Verdienste um die Fortentwicklung der europäischen Idee.”
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