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Aachens Karlspreis für eine „Stimme des Gewissens“

Von: red
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Papst Franziskus ist der Karlspreisträger 2016. Foto: stock/Ulmer/Lingria

Aachen. Papst Franziskus erhält für seine ermutigenden Worte über Europa den Karlspreis 2016. Das katholische Kirchenoberhaupt sende in einer Zeit, in der die Europäische Union Krisen durchlebe, eine hoffnungsvolle Botschaft, erklärten das Karlspreisdirektorium und die Stadt Aachen am Mittwoch.

Seit 1950 wird der Preis für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen.

Die Preisverleihung wird – anders als üblich – 2016 allerdings nicht in Aachen stattfinden, sondern in Rom. Ein Termin steht noch nicht fest.

„In dieser Zeit, in der viele Bürgerinnen und Bürger in Europa Orientierung suchen, sendet Seine Heiligkeit Papst Franziskus eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung aus“, stellte das Karlspreisdirektorium in seiner Begründung fest. Der Papst sei eine „Stimme des Gewissens“, die mahne, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Und die daran erinnere, dass Europa verpflichtet sei, Frieden, Freiheit, Recht, Demokratie und Solidarität zu verwirklichen – aufbauend auf den Idealen seiner Gründerväter.

Franziskus – geboren im argentinischen Buenos Aires – hatte im November 2014 eine eindringliche Rede vor dem Europaparlament gehalten. Darin plädierte er für ein gemeinsames Europa, das sich nicht um die Wirtschaft drehe, und für Solidarität mit Armen und Alten. Der Papst habe kritisch konstatiert, dass es nicht nur die Debatte um die Flüchtlinge sei, die Europa „einen Eindruck der Müdigkeit, der Alterung und der mangelnden Fruchtbarkeit vermitteln“ ließen, erklärte das Karlspreisdirektorium. Auf die daraus resultierenden Fragen gebe Franziskus selbst Antworten. Der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Jürgen Linden, erklärte am Mittwoch, die EU stehe „vor der bislang größten Herausforderung des 21. Jahrhunderts“. Zuletzt hatten das Direktorium angekündigt, seine Entscheidung erst im Januar zu verkünden. Dann kam nach Angaben eines Stadtsprechers allerdings schneller als erwartet ein Sig-nal aus dem Vatikan, dass der Papst den Preis entgegen seinen Gepflogenheiten annehmen wolle.

Franziskus folgt als Preisträger auf EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der 2015 ausgezeichnet wurde. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer (1954), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008).

Schon 2014 hatte der neue Karlspreisträger deutliche Worte zu einem europäischen Thema gefunden, das in diesem Jahr immer größere Ausmaße annahm: die Flüchtlingskrise. Im Europaparlament in Straßburg hatte er im November 2014 eine gemeinsame Politik zur Rettung der Migranten auf See gefordert. „Man kann nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird“, hatte Franziskus gesagt.

Franziskus hatte seine erste Reise als Papst zur italienischen Insel Lampedusa gemacht. Diese liegt etwa auf halber Strecke zwischen Sizilien und Nordafrika, deshalb landen dort seit Jahren sehr viele Menschen auf ihrer Flucht nach Europa. Dort betete der Papst vor der Heiligen Madonna der Schiffbrüchigen, die auf der Insel verehrt wird.

Vor dem Hintergrund der Globalisierung und zunehmenden Technisierung der Welt warnte der Papst Europa davor, seine Seele zu verlieren. Die Zukunft Europas hänge davon ab, den humanistischen Geist wiederzuentdecken, den es doch so liebe, sagte der Argentinier in Straßburg.

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