Düren - Friede für das Revier und den Hambacher Forst

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Friede für das Revier und den Hambacher Forst

Von: Marlon Gego
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Gute Lösungen für alle Beteiligten: Bruno Voß, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Dürener Kreistag. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Auf die Idee, Lösungen zu suchen, die RWE am Ende als Gewinner dastehen lassen, ist vor Bruno Voß noch niemand gekommen. 230 Millionen Euro könnte RWE für den Hambacher Forst und die dahinter liegenden Flächen rund um Merzenich-Morschenich und Kerpen-Manheim erlösen, und wenn man noch den Verkauf der Hambachbahn-Trasse dazurechne, könnte sich ein Kurswechsel für RWE tatsächlich lohnen.

Das hat Voß errechnet oder jedenfalls grob überschlagen. „RWE erhält eine Menge Geld und noch viel mehr Imagegewinn“, sagte Voß am Freitag. Die Grünen-Fraktion im Dürener Kreistag, deren Vorsitzender Voß ist, fällt in der Debatte um die Zukunft des Tagebaus Hambach nicht durch übermäßig viele Diskussionsbeiträge auf. Doch wann immer sich die Fraktion an eine breitere Öffentlichkeit wendet, unterbreitet sie substanzielle Vorschläge.

Zuletzt hatte Voß es Anfang 2016 fertig gebracht, RWE und die zum Teil radikalen Tagebaugegner an einen Tisch zu bringen. Die Gespräche führten zwar zu keinen konkreten Ergebnissen; doch alle Beteiligten sprachen damals von einem wichtigen Schritt.

In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) skizziert Voß nun eine Szenario, „von dem die gesamte Region erheblich profitiert“. Durch die Tagebauverkleinerung werde es der Bundesregierung leichter fallen, ihre Klimaziele einzuhalten; die erhaltenen Flächen, etwa 600 Hektar, könnten besiedelt und landwirtschaftlich genutzt werden; der geplante Restsee würde durch eine Tagebauverkleinerung ebenfalls kleiner, RWE könne die Kosten für sechs Milliarden Liter Wasser sparen, hat Voß errechnet.

Und schließlich könnten auch die Reste des Hambacher Forstes erhalten werden, immerhin 600 Hektar, etwa so viel wie die rekultivierte Fläche auf der Sophienhöhe, sagte Voß. Ein positiver Nebeneffekt wäre „das Vermeiden internationalen Krawalls, der am 1. Oktober mit Beginn der Rodungssaison losgehen wird“.

In der Tat hatten verschiedene Initiativen bereits heftigen Widerstand gegen RWE im Hambacher Forst angekündigt, bis hin zu einem „krassen Kampf“. Der Zeitpunkt, den die Grünen für die Veröffentlichung ihrer Vorschläge gewählt haben, ist kein Zufall. In Kürz soll die sogenannte Kohlekommission ihre Arbeit aufnehmen, von der Impulse für den Strukturwandel in Deutschlands Kohleabbaugebieten ausgehen sollen. Die Kommission soll in Altmaiers Ministerium angesiedelt werden, ihre Besetzung steht noch nicht fest.

Bei aller Diskussion um den vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung dürfen „wir die Bedürfnisse der Industrie nicht aus den Augen verlieren“, sagte Verena Schloemer, Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen im Kreistag. Doch je mehr die Speichertechnologie sich entwickle, desto größer sei der zu erwartende Schub für die Erneuerbaren Energien.

 

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