Köln/Aachen - Die Fledermäuse allein retten den Hambacher Forst nicht

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Die Fledermäuse allein retten den Hambacher Forst nicht

Von: Christoph Pauli
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Hambach Fledermäuse
Die Fledermäuse bewohnen zahlreiche Bäume im Hambacher Forst. Foto: Dirk Jansen/Bund für Umwelt und Naturschutz /dpa

Köln/Aachen. Auf sein Geschäftsmodell verweist RWE Power schon im Eingangsbereich: „Hände weg von der Braunkohle“, steht auf einem Transparent in der Kölner Zentrale. Für ein paar Monate waren zuletzt Zweifel aufgekommen, wie es mit dem Tagebau Hambach weitergehen soll, dann hatte die zuständige Bezirksregierung Arnsberg den Hauptbetriebsplan 2018 bis 2020 genehmigt.

Eine neuerliche, vom Oberverwaltungsgericht Münster angeordnete Überprüfung der naturschutzrechtlichen Bedeutung des Forsts habe ergeben, dass die noch vorhandenen Waldflächen „weder aus rechtlichen noch aus naturschutzfachlichen Gründen“ nachträglich als Schutzgebiet ausgewiesen werden müssen, so hat die Bezirksregierung befunden.

Basis für die naturschutzfachliche Einschätzung war ein von RWE in Auftrag gegebenes Gutachten des Kieler Instituts für Landschaftsökologie, das Ulrich Mierwald vor 27 Jahren gegründet hat. Der Diplom-Biologe ist an diesem Tag nach Köln gefahren, um seine Expertise zu erläutern. Mierwald ist der Frage nachgegangen, ob die Reste des Hambacher Forsts nicht nachträglich als Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet (FFH) auszuweisen und ins europäische Netz „Natura 2000“ aufzunehmen seien. Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutzrichtlinie der Europäischen Union und dient der Erhaltung natürlicher Lebensräume von Pflanzen und wildlebenden Tieren. Der Hambacher Forst ist nicht in diese Liste aufgenommen worden.

Folgt man Mierwald, so bleibt es dabei. Er fand zwar zwei Kolonien mit jeweils 35 Weibchen der geschützten Bechsteinfledermaus. „Aufgrund der Populationsdynamik, des natürlichen Verbreitungsgebiets und eines genügend großen Lebensraums kann davon ausgegangen werden, dass kein funktionales Defizit der Bechsteinfledermaus vorliegt“, sagt er. Die Kolonien könnten in benachbarte Schutzgebiete umsiedeln. Vielleicht würde sein Fazit anders lauten, wenn er vor sechs Jahren beauftragt worden wäre. Jetzt fällt sein Fazit so aus, „weil ich mich nur mit dem Status quo beschäftigen kann“, sagt er. In seinem Gutachten beschäftigt er sich auch mit den Restbeständen des Hainsimsen-Buchwaldes und des Sternmieren-Stieleichen-Hainbuchenwaldes, andere Standorte hält er für deutlich besser geeignet.

Der Bund für Natur und Umweltschutz (BUND), der immer wieder gegen die „Schürf-Genehmigungen“ geklagt hat, hat eine andere Rechtsauffassung und Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. Der „RWE-Gutachter“ habe das Thema nicht anhand der gesetzlichen Kriterien, sondern anhand eines abweichenden eigenen Bewertungsrahmens überprüft. Unverändert strebt der BUND an, den Forst noch in das Netz „Natura 2000“ aufzunehmen und gesondert zu schützen, so Landesgeschäftsleiter Dirk Jansen. Die gesetzlichen Vorgaben für solche Zonen sind „naturgemäß“ sehr viel restriktiver.

Die Hürden beim Genehmigungsverfahren für den Weiterbetrieb des Tagebaus wären höher. Mierwald hält sein Gutachten für gerichtsfest, auch der Tagebaubetreiber geht davon aus, dass die juristischen Fragen nun geklärt sind. RWE verweist zudem darauf, dass 3000 Hektar Fläche innerhalb und außerhalb des Tagesbaus hochwertig kultiviert worden sind. Für solche Maßnahmen rund um den Hambacher Forst habe der Konzern bereits 50 Millionen Euro investiert, so Michael Eyll-Vetter, Leiter der Tagebauentwicklung bei RWE.

Ab dem 1. Oktober dürfen die restlichen 200 Hektar gerodet werden, so ist der Stand der Dinge. Innerhalb von etwa fünf Jahren verschwindet das Wäldchen komplett, vermutet Eyll-Vetter. Ausgesetzte Rodungen werden nachgeholt, und zeitnah sollen die etwa 30 Baumhäuser verschwinden, die auch als Symbole des Widerstands gelten. Es deutet vieles auf einen heißen Herbst im Hambacher Forst hin.

 

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