1. Blog Mathieu
    - Chefsachen aus der Redaktion
  2. Menschenskinder
    - Ein Vater berichtet über Kind und Kegel
  1. Aixtra Bewusst
    - Arno Ostländer über (Zwischen-)Menschliches
  2. Auf der Couch
    - Die Therapiestunde mit Monika Koch
  3. Motorblog
    - Rolf Reiners über alles, was rollt
  4. Querbeet
    - Peter Behrens aus dem grünen Bereich
  1. Aachener Allerlei
    - Das tägliche Leben im Westzipfel
  2. Bitte, bitte! Danke, danke!
    - Kartoffelkäfer, Tivoli-Kicker und Fußballkult
  3. Sportplatz
    - Spannende Spiele und pfiffige Vereine
  4. Weltweit
    - Aus der Region rund um den Globus
Dienstag, 21. Februar 2012
Schöne, neue Technik-Welt
Wenn ich Sarah ab und an darauf aufmerksam mache, dass es Zeiten gab, in denen die Welt ohne Handys auskommen musste, schaut sie mich mit weit aufgerissenen Augen an und sagt: „Erzähl‘ mal!“ Das klingt dann so, als sollte Großvater berichten, wie er früher Äpfel von Nachbars Baum klaute, damit die Familie etwas zu essen hat. Ich erzähle Sarah dann, dass wir damals nachmittags direkt bei Freunden an der Tür schellten, eine leibhaftige Mutter vor uns hatten und fragten: „Ist der Guido da?“ Gut möglich, dass die Mutter dann sagte: „Der Guido ist schon auf dem Bolzplatz, lauft mal da hin, dann werdet ihr ihn treffen.“ Für gewöhnlich gähnt Sarah dann und sagt: „Ach, die alten Geschichten.“
„Ja, ja“, sage ich, „da war nichts mit Handys. Verabredungen wurden noch Auge in Auge getroffen, morgens in der Schule (gerne auch während des Unterrichts, aber Pssst!, das ist jetzt nichts für Schülerinnenohren von heute). Wenn wir nachmittags schon unterwegs waren und uns fiel ein, dem Guido etwas mitteilen zu wollen, mussten wir eine Telefonzelle suchen. „Das waren so gelbe Häuschen“, sage ich Sarah und ernte einen genervten Blick: „Ha, ha, sehr witzig wieder, der Herr Papa.“
„Und wenn wir dann eines dieser gelben Häuschen gefunden hatte, mussten wir beten, dass wir passendes Kleingeld hatten. Oder dass der Hörer nicht abgerissen war… Da war nichts mit Handys…“
„Ich weiß, ich weiß“, sagt Sarah, „deine Jugend war ein harter Kampf, dir wurde nichts geschenkt, du hast dir alles hart erarbeitet!“ Ich nicke dann zufrieden und sage: „Genau so war es.“
Mittlerweile ist es ja so, dass ein ganz normales Handy heute so wirkt wie die Holzpfosten früher auf dem Bolzplatz. Asbach-uralt nämlich. Heute braucht man ein Smartphone, um von den Jugendlichen auf dem Kaiserplatz nicht schräg von der Seite angeraunzt zu werden: „Ey, was bist du denn für ein Opfer. Was haste denn da, ein Handy?“
So ist das.
Smartphones sind aber in der Tat besser.
Smartphones können ja so viel mehr als telefonieren. Sie können nicht nur Musik machen, fotografieren, filmen und Videos abspielen. Sie können auch untereinander kommunizieren – und das ist eine feine Sache. Weil wir natürlich in unserer Familie mit der Zeit gehen, sind ein paar Smartphones vorhanden, eines hat Sarah, eines habe ich. Seit Neuestem sind beide Geräte verbunden, das heißt: Ich kann in mein Smartphone bestimmte Sachen eingeben, an die Sarah erinnert werden soll. Mit Weckruf. Herrlich! Heute spricht der aufgeklärte Mensch ja von To-do-Listen, die er braucht, um sich zu merken, was alles erledigt werden soll. Also: 1. Bitte Tisch abräumen, 2. Gassi gehen, 3. Hausaufgaben machen, 4. Vokabeln lernen, 5. Zimmer aufräumen, 6. Gitarre spielen, 7. Den Vater freudigst begrüßen, wenn er abends nach einem harten Arbeitstag nach Hause kommt.
Das sind To-do-Listen, die ich Sarah aufs Handy schicke. Verbunden mit einem Klingelton, der sie alle paar Minuten daran erinnert, die Aufgaben auch zu erledigen. Väter können grausam sein.
„Macht mir gar nichts“, sagte Sarah neulich und grinste. „Im Gegensatz zu dir weiß ich, wie ich diese Mitteilungen abstellen kann. Und dir schicke ich dann ein Jogging-Programm. Mit 100 Klingeltönen. Ich meine, du wärst lange nicht gelaufen.“
Da hatte sie wohl Recht. Sich nicht bewegen, aber ständig vom Bolzplatz reden.

 Kommentar (1)    Trackbacks (0)  

Trackback URL von "Schöne, neue Technik-Welt"
Adresse per Rechtsklick kopieren und in Ihrer Blogsoftware verwenden
Keine Trackbacks

22.02.2012 14:27 Uhr
Sven kommentiert (Homepage)
Unsere Handys hießen Walkie-Talkies. Das waren Handsprechfunkgeräte bei denen zuverlässig die Verbindung abriss, sobald man außer Rufweite war. Es war also immer gewährleistet, nochmal eben über die Straße nachzufragen, wenn man den anderen nicht verstanden hatte. ;-)
Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Artikel
Bitte geben Sie hier Ihren Kommentar ein:
Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

 
Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:
Ihre Homepage:
Antworten auf:
 
senden     Vorschau 

Menschenskinder, das ist das pralle Leben. Ein Vater berichtet regelmäßig über Kind und Kegel. Ähnlichkeiten mit anderen Familien wären rein zufällig, sind aber nicht ausgeschlossen.

Redakteur

„Bitte räum’ endlich dein Zimmer auf!“ „Später.“ „Nein, sofort!“ „Ach, Papa...“ So oder ähnlich klingt es schon mal, wenn sich Vater und Tochter unterhalten. Oder Mutter und Tochter. Der Sohnemann spricht noch nicht so viel, er ist erst anderthalb und braucht deshalb sein Zimmer noch nicht aufzuräumen, obwohl er es gerne durcheinander bringt. Die Welt ist ungerecht.

April '14
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30        
Zurück zurück weiter Vorwärts