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Dienstag, 14. Juni 2011
Im Pfarrhaus
Immer wieder h├Ârt und liest man negative Schlagzeilen ├╝ber katholische Priester. Dabei sind es nur wenige Ausnahmen, die sich an Kindern und Jugendlichen vers├╝ndigen.

Heute m├Âchte ich ├╝ber unseren Pastor berichten, der mich und viele andere Jugendlichen eine wunderbare, unvergessliche Zeit in seinem Pfarrhaus verleben lie├č.

Sonntags abends stellte er uns einen Raum zum Tanzen zur Verf├╝gung ÔÇô vor f├╝nfzig Jahren noch ganz au├čergew├Âhnlich. Einer brachte sein Tonbandger├Ąt mit oder jemand setzte sich ans Klavier und sorgte f├╝r die n├Âtige Musik. Um zehn Uhr schickte der Hausmeister uns nach Hause. Montags wurde gesungen, dienstags gab es Volkstanz, donnerstags Gruppenabend der Pfadfinderinnen, samstags gingen wir zur Komplet in die Kirche mit anschlie├čendem Treffen im Pfarrhaus zum Tischtennisspiel. Nur mittwochs und freitags war ich zu Hause.

Als Pastor Sch. unsere Pfadfinderinnengruppe ins Aachener Stadttheater einlud, erlebte ich zum ersten Mal eine Oper: ÔÇ×MargaretheÔÇť von Gounod. Er erkl├Ąrte uns die Handlung und wir h├Ârten gemeinsam Schallplatten mit Musikausz├╝gen. Auf diese Weise vorbereitet, war ich als Vierzehnj├Ąhrige so begeistert, dass ich gleich ein Jugendabo buchte und von da an regelm├Ą├čig einmal monatlich ins Stadttheater ging.

Karneval durften wir an drei Tagen im Pfarrhaus feiern, dann sogar bis Mitternacht. Anschlie├čend organisierte unser Pastor Gr├╝ppchen, die nahe beieinander wohnten. Zuerst mussten die Jungen gemeinsam die M├Ądchen nach Hause begleiten, damit keines von ihnen in der Nacht alleine unterwegs war.

Selbstverst├Ąndlich hatte Pastor Sch. auch am Aschermittwoch seine Kirche voller jugendlicher Gottesdienstbesucher ÔÇô nicht nur an diesem Tag, auch sonst gingen wir gerne in die von ihm zelebrierte Messe mit den zeitgem├Ą├čen, aufgeschlossenen Predigten ├╝ber den, wie er ihn stets nannte, guten Gott. W├Ąhrend in der Schule eine fanatisch fromme Religionslehrerin uns mit Weltuntergang, Fegefeuer und H├Âlle ├Ąngstigte, verk├╝ndete unser Pastor die Frohe Botschaft.

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erz├Ąhlt gerne Geschichten, erlebte und erfundene, wobei sie die einen gerne mit den anderen vermischt. Wenn sie sie nur oft genug erz├Ąhlt habt, unterscheidet sie selbst nicht mehr zwischen Fantasie und Realit├Ąt.

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