Aachener Szene feiert Neonazi-Terror

(mik/mar) 22.11.2011, 17:45

Aachen/Berlin. Ungeniert feiern Aachener Neonazis im Internet die Rechtsterroristen aus Zwickau. Ob die Zelle Kontakte zu Neonazis aus der Region unterhielt, ist allerdings unklar. Einem Augenzeugenbericht zufolge soll das Trio aus Thüringen ein Treffen von Rechtsextremen im rheinischen Erftstadt besucht haben. Ebenfalls anwesend: René Laube aus Vettweiß, Chef der «Kameradschaft Aachener Land» (KAL).


Der Verfassungsschutz jedoch dementiert: Der Nachrichtendienst habe das Treffen damals beobachtet. Auch eine erneute Überprüfung habe aber keine Hinweise auf eine Anwesenheit der Terroristen ergeben.

Unstrittig, da öffentlich zu begutachten, ist die Solidarität der örtlichen Neonazi-Szene mit den Terroristen aus Zwickau: Auf ihrer Webseite bekennt die KAL «Zwickau Rulez!!» («Zwickau gibt den Ton an») und verlinkt gleichzeitig einen unverhohlenen Mordaufruf: «Neun sind nicht genug», heißt es dort in Anspielung auf die Opfer der mutmaßlichen Serientäter.

Die Zwickauer Terror-Zelle beschäftigte unterdessen auch den Innenausschuss des Bundestags. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich versprach den Parlamentariern, auf die Ermittlungspannen schnell zu reagieren. Der Verfassungsschutz müsse auf Bundesebene gestärkt werden und bei der Bekämpfung des rechten Terrors «klar Federführung» erhalten, sagte Friedrich am Dienstag. Der Ausschussvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) plädierte dafür, Verfassungsschutzämter der kleineren Länder zusammenzulegen. Uneins war sich der Ausschuss darüber, ob ein Untersuchungsausschuss, ein Sonderermittler oder eine Expertengruppe eingesetzt werden soll.

Neue Spekulationen

Zudem wurde bekannt, dass es möglicherweise eine Verbindung zwischen den mutmaßlichen Terroristen und der in Heilbronn getöteten Polizistin geben könnte. Es gebe Hinweise, wonach die Polizistin Michele Kiesewetter im Jahr 2007 nicht zufällig von den Neonazis getötet wurde, sagte Friedrich.

Die Polizei hat inzwischen zwölf Verdächtige als Mitglieder oder Unterstützer der Zelle im Visier. Neben Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gebe es neun weitere Verdächtige im Umfeld, berichtete BKA-Präsident Jörg Ziercke. Von den neun würden vier als Beschuldigte geführt, gegen die konkret ermittelt wird.