6566794.jpg

Kommentiert: Die Vorzeichen haben sich verändert, der Hilferuf bleibt

Ein Kommentar von Manfred Kutsch

Als sich unsere Redaktion und Unicef-Deutschland im August 2013 für die Philippinen als Projektland unserer diesjährigen Weihnachtsaktion entschieden, gab es dafür zwei Gründe.

Neben dem dort grassierenden Kinderhandel und Kindersex-Tourismus wollten wir über die im Inselstaat bereits eingetretenen Folgen des Klimawandels informieren – vor dem Hintergrund einer alarmierenden Zunahme von Anzahl und Heftigkeit der Taifune, Erdrutsche, Tsunamis und Überschwemmungen. Unserer damaligen Einschätzung nach eine der stillen Katastrophen unserer Welt, medial kaum beachtet.

Das hat sich seit dem vergangenen Donnerstag auf kaum vorstellbare Weise geändert. Jetzt blickt die globale Öffentlichkeit entgeistert auf das apokalyptisch anmutende Geschehen. Niemandem muss mehr erklärt werden, dass die 7107 Inseln der Philippinen unter dem steten Anstieg der Meerestemperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit aus gutem Grunde in der Spitzengruppe der Gefahrenskala für die Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen liegen – so die UN. Doch in der globalen Kurzatmigkeit der Schlagzeilen, so ist zu befürchten, wird „Haiyan“ bald wieder zur stillen Katastrophe.

Für unsere Zeitung bleibt der „Hilferuf von den Philippinen“ bestehen. Wir werben mit unserer Unicef-Aktion für Spenden – freilich anders als nach unserer Reise im Oktober geplant. Ehedem wollten wir die Vorbeugungsprogramme und Schulkonzepte im Katastrophenschutz von Unicef unterstützen. Jetzt aber fließen alle Gelder in die Nothilfe, oft in reinen Überlebenskampf, insbesondere der ohnehin vielfach geschwächten und mangelernährten Kinder. Zur Erinnerung: 40 Prozent der Bevölkerung lebt von zwei Dollar am Tag, davon die Hälfte sogar nur von einem.

Dennoch oder gerade deshalb: Liebenswerte, gastfreundliche, offene Menschen sind meiner Frau Silke und mir begegnet. Wir erlebten eine bewundernswerte Tatkraft und Leichtigkeit der zu 90 Prozent christlichen Filipinos, den latenten Gefahren zu begegnen. Unsere Notizen und Bilder so kurz vor dem verhängnisvollen 7. November 2013 bekommen plötzlich ganz andere Sichtweisen – auch für uns selbst. Allein der Blick auf die Fotos von den wöchentlichen Evakuierungs- und Erste-Hilfe-Übungen an den Schulen im besonders gefährdeten Osten, die das tägliche Unterrichtsfach „Katastrophenschutz“ im Lehrplan haben: Wir sehen unbeschwerte Kinder, die beim Überlebenstraining lachen. Kinder eben.

Was mag aus ihnen geworden sein? Wir werden versuchen, es in Erfahrung zu bringen. Und sie zu unterstützen – mit Ihrer Hilfe, liebe Leserinnen und Leser. Spenden Sie auf unser Aktionskonto!

m.kutsch@zeitungsverlag-aachen.de

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert