Tihange - 370 neue Risse in Pannenmeilern Tihange 2 und Doel 3

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370 neue Risse in Pannenmeilern Tihange 2 und Doel 3

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
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In Doel bei Antwerpen wurden 300 weitere Risse entdeckt. Foto: dpa
Symbol Tihange Atomkraftwerk AKW Kernkraftwerk Atomenergie Atomkraft Foto: Andreas Steindl
Die 70 zusätzlichen Risse am Reaktor Tihange 2 hat man entdeckt, weil die Kamera bei der neuen Untersuchung anders positioniert wurde. Foto: Andreas Steindl

Tihange. Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC hat 370 neue Risse in den belgischen Atommeilern Tihange 2 und Doel 3 aufgezeichnet. In dem nur 60 Kilometer Luftlinie von Aachen entfernten Meiler Tihange 2 wurden bei neuerlichen Ultraschalluntersuchungen 70 Risse aufgezeichnet, die vorher nicht bekannt waren, in Doel bei Antwerpen sogar 300.

Es handele sich aber nicht um neue Risse oder Wasserstoffeinschlüsse, so die FANC (Federaal Agentschap voor Nucleaire Controle). Es gebe für die vermeintlichen Veränderungen wissenschaftliche Erklärungen. Die Sicherheit der Meiler sei deshalb auch nicht gefährdet, teilten FANC, der belgische Innenminister Jan Jambon und der Betreiber des Kernkraftwerks, Engie-Electrabel, mit. „Das Auftauchen dieser kleinsten Wasserstoffeinschlüsse ist auf eine andere Positionierung des Ultraschallgeräts zurückzuführen“, sagte Engie-Sprecherin Anne-Sophie Hugé unserer Zeitung. Neue Risse oder doch neue Rechnung – das ist also die Frage.

„Die Ausrede, die zusätzlichen Risse seien auf andere Kamerapositionen zurückzuführen, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten“, kritisierte der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne). „Bis zu einer unabhängigen Überprüfung gehören Tihange 2 und Doel 3 sofort vom Netz“, forderte er gegenüber unserer Zeitung. Kanzlerin Angela Merkel  (CDU) und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dürften sich nicht weiter von der belgischen Politik abspeisen lassen. Eine Sprecherin von Hendricks teilte auf Anfrage am Sonntag mit, dass man nun den Bericht unverzüglich durch die Staatliche Materialprüfungsanstalt Stuttgart auswerten lasse.

Bei Engie gibt man sich gelassen: Man müsse sich das Ultraschallgerät mit den Kameras wie eine Spinne vorstellen, sagte Hugé. Es untersuche den Behälter stets aus leicht anderen Positionen. Im Vergleich zur Untersuchung im Jahr 2014 habe sich die Zahl deshalb verändert. Das hatte auch Innenminister Jambon als Grund für die neuen Ergebnisse genannt.

Engie: einige Risse verschwunden

Ja, bei der diesjährigen Kontrolle in Tihange 2 seien 70 Wasserstoffeinschlüsse neu aufgezeichnet worden, so Hugé. Allerdings habe man jetzt Einschlüsse nicht mehr gesehen, die das Gerät 2014 aufgezeichnet hatte. Sprich: Einige Mängel verschwanden. „Das ist normal bei solchen Untersuchungen“, sagte Hugé. „Die Sicherheit ist in jedem Fall gegeben.“

Bereits im April hatte es erste Ergebnisse der von der FANC angeordneten Ultraschalluntersuchungen gegeben,  damals hieß es, dass die Risse nicht mehr und nicht größer würden. Bei der Aussage bleibe man, teilte FANC-Sprecherin Mélanie Boulanger mit. Die FANC hatte nach den Untersuchungen das Wiederanfahren der Meiler erlaubt. In dem neuen Bericht wird Engie allerdings dazu aufgefordert, bis September 2017 einen umfassenderen Bericht zu den Rissen einzureichen.

„Weil die Interpretation der Ultraschallbilder so komplex ist, befindet man sich im Blindflug“, kritisierte Jörg Schellenberg vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie. „Die FANC und der Betreiber sind nicht Herr der Lage“, sagte der belgische Grünen-Fraktionschef Jean-Marc Nollet, der die neuerlichen Ergebnisse durch eine parlamentarische Anfrage bekannt gemacht hatte.

Engie hatte nachweisen müssen, dass die Reaktoren sicher sind, nachdem die FANC im März 2014 das Abschalten der beiden betroffenen Meiler verfügt hatte. 2012 wurde bekannt, dass es Risse in den Druckbehältern von Doel 3 bei Antwerpen und Tihange 2 gibt. Bei Ultraschalluntersuchungen wurden 8000 dieser Defekte in Doel und 2000 in Tihange entdeckt. Im Februar 2015 korrigierte die FANC die Zahl der Risse nach oben: 3149 in Tihange, 13.047 in Doel.

Engie-Electrabel vertritt seit jeher die Theorie, dass die Risse bei der Herstellung der Reaktordruckbehälter entstanden seien. Kritiker glauben, dass die Risse im laufenden Betrieb entstanden sind und somit ein Sicherheitsrisiko darstellen.

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